- Apache 2.0 gilt im Oktober 2026 für Gemma 4, Aleph Alpha Kolibri-1, Meta Muse Glimmer-30B, Mistral Small 4 und Qwen3.8-27B: kommerzielle Nutzung, Veränderung und Weitergabe ohne Nutzer- oder Umsatzschwellen, mit Patentlizenz.
- Die Llama 4 Community License verlangt ab 700 Millionen monatlich aktiven Nutzern eine gesonderte Lizenz von Meta, schreibt „Built with Llama" als Hinweis vor und verlangt, dass abgeleitete Modelle mit „Llama" im Namen beginnen.
- Die GLM-5.3 License übernimmt den MIT-Text, verpflichtet aber Betreiber eines Model-as-a-Service mit mehr als 10 Milliarden $ Umsatz in zwölf Monaten zu einer Sicherheitsprüfung durch Z.AI vor kommerzieller Nutzung.
- Mistral Medium 3.5 steht unter einer „Modified MIT License", die Unternehmen mit mehr als 20 Millionen $ konsolidiertem Monatsumsatz eine kommerzielle Lizenz abverlangt — auch für Derivate.
- Mistral Large 4 hat am 11. Oktober 2026 keinen veröffentlichten Lizenztext; die Modellübersicht nennt nur „Open".
/01Die Lizenzlandschaft im Oktober 2026
Innerhalb von zwei Wochen sind zwei Ereignisse zusammengekommen, die das Thema Lizenz von der Fußnote zur Projektfrage machen. Am 3. Oktober 2026 hat Aleph Alpha Kolibri-1 unter Apache 2.0 auf Hugging Face gestellt — ein 78-B-Modell aus Heidelberg mit der freizügigsten Lizenz, die es für Modellgewichte gibt. Am 6. Oktober hat Mistral AI Mistral Large 4 angekündigt, Gewichte „by the end of the month", und in der Modellübersicht steht als Lizenz ein einziges Wort: „Open". Zwischen diesen beiden Polen liegt alles, was ein Mittelständler 2026 herunterladen kann.
Der Bestand, Stand 11. Oktober 2026, nach Lizenztext geordnet — jede Angabe aus der LICENSE-Datei oder dem Lizenzfeld des jeweiligen Repositories:
- Apache 2.0: Gemma 4 (31B und 26B-A4B, Google, Release laut Google-Blog 2. April 2026), Kolibri-1 (Aleph Alpha), Muse Glimmer-30B (Meta, 10. August 2026), Mistral Small 4 119B, Mistral Large 3 675B, Ministral 3, Qwen3.8-27B.
- MIT: DeepSeek V4.1-Flash — Lizenzdatei „MIT License, Copyright (c) 2023 DeepSeek", unverändert.
- MIT-artig mit Zusatz: GLM-5.3 (Z.AI, „GLM-5.3 License"), Mistral Medium 3.5 128B („Modified MIT License").
- Eigene Lizenz mit Schwellen und Pflichten: Llama 4 Scout und Maverick („Llama 4 Community License Agreement", Fassung vom 5. April 2025).
- Unveröffentlicht: Mistral Large 4.
Das Wort „offen" in einer Pressemitteilung sagt also nichts darüber, in welcher dieser fünf Gruppen ein Modell landet. Wer es wissen will, öffnet die LICENSE-Datei. Alles Weitere in diesem Artikel stammt aus genau diesen Dateien.
/02Apache 2.0 und MIT: was „wirklich frei" heißt
Beide Lizenzen stammen aus der Softwarewelt und wurden nie für Modellgewichte geschrieben — sie funktionieren trotzdem, weil sie nicht fragen, was lizenziert wird. Die MIT-Lizenz ist ein Absatz: Nutzung, Kopie, Veränderung, Weitergabe und Verkauf sind erlaubt, einzige Bedingung ist, dass Urheberrechts- und Lizenzhinweis in allen Kopien bleiben. Keine Nutzerschwelle, kein Umsatz, keine Nutzungsrichtlinie, keine Kündigung.
Apache 2.0 ist länger und für den Betrieb in einem Unternehmen in zwei Punkten stärker. Erstens enthält sie in Abschnitt 3 eine ausdrückliche Patentlizenz: Wer das Werk beisteuert, räumt den Nutzern eine Lizenz an den Patenten ein, die durch den Beitrag verletzt würden — und verliert diese Lizenz, wenn er selbst Patentklage erhebt. Bei einem Modellhersteller mit eigenem Patentportfolio ist das kein theoretischer Punkt. Zweitens verlangt Apache 2.0 bei der Weitergabe veränderter Fassungen einen Hinweis auf die Änderung und den Erhalt der NOTICE-Datei. Beides ist in einem Fine-Tuning-Projekt mit zwei Zeilen erledigt.
Was beide Lizenzen nicht regeln: Sie sagen nichts über die Trainingsdaten, nichts über Datenschutz, nichts über die Verordnung über künstliche Intelligenz. Eine Apache-2.0-Lizenz macht ein Modell kommerziell nutzbar — sie macht es nicht rechtssicher. Diese Prüfung bleibt beim Betreiber, und sie ist unabhängig vom Lizenztext.
Merksatz: Apache 2.0 und MIT beantworten die Frage „Dürfen wir?" vollständig mit Ja. Die Fragen „Woher stammen die Daten?" und „Wer dokumentiert das Modell nach AI Act?" beantworten sie gar nicht — dafür braucht es die Modellkarte und den Hersteller.
/03MIT-artig mit Haken: GLM-5.3 und Mistral Medium 3.5
Zwei Hersteller haben 2026 den MIT-Text genommen und je einen Absatz angehängt. Die Absätze sehen ähnlich aus und bedeuten etwas völlig Verschiedenes.
GLM-5.3 License (Z.AI). Der Text beginnt wie MIT — „to deal in the Software without restriction, including without limitation the rights to use, copy, modify, merge, publish, distribute, sublicense, and/or sell" — und fügt eine Bedingung an: Betreibt der Lizenznehmer oder ein verbundenes Unternehmen ein „Model as a Service" und übersteigt der Gesamtumsatz der Gruppe 10 Milliarden US-Dollar in zwölf aufeinanderfolgenden Monaten, muss er vor jeder kommerziellen Nutzung „Z.AI's security review" bestehen. „Model as a Service" ist definiert als Zugang Dritter zu Inferenz oder Fine-Tuning, bei dem diese Dritten „meaningful control over the inputs, parameters, or training data" ausüben. Eine Kündigungs- oder Nutzungsrichtlinienklausel enthält der Text nicht. Für einen Mittelständler, der GLM-5.3 intern betreibt, ist die Bedingung ohne Wirkung; für einen Hyperscaler ist sie der Kern der Lizenz.
Modified MIT License (Mistral Medium 3.5). Hier ist die Schwelle drei Größenordnungen tiefer: Unternehmen, deren „global consolidated monthly revenue" 20 Millionen US-Dollar übersteigt, dürfen das Modell nicht ohne kommerzielle Lizenz nutzen — und zwar unabhängig davon, ob sie einen Dienst anbieten oder das Modell nur intern laufen lassen. Die Grenze gilt ausdrücklich für „the Model and any derivatives, modifications, or combined works based on it". Dazu kommt ein Attributionshinweis „2026 - Mistral AI". Ein Mittelständler mit 300 Millionen Euro Jahresumsatz liegt über dieser Schwelle; er braucht für Medium 3.5 einen Vertrag mit Mistral, für Mistral Small 4 unter Apache 2.0 nicht.
Ehrlich: Die Bezeichnung „MIT" in beiden Fällen ist eher eine Herkunftsangabe als eine Zusicherung. Wer die Lizenz nach dem Namen prüft, übersieht genau den Absatz, der ihn betrifft. Die Prüfung liest den ganzen Text — bei beiden ist das weniger als eine Seite.
/04Llama 4 Community License: Nutzerschwelle, Namenspflicht, Nutzungsrichtlinie
Metas Llama-Lizenz ist die bekannteste Eigenlizenz und die, an der die meisten Rechtsabteilungen schon einmal gesessen haben. Die Fassung für Llama 4 („Llama 4 Version Effective Date: April 5, 2025") enthält fünf Regelungen, die über MIT und Apache hinausgehen:
- Nutzerschwelle. Wer am Erscheinungstag von Llama 4 mehr als 700 Millionen monatlich aktive Nutzer hatte, „must request a license from Meta". Für den Mittelstand irrelevant, aber der Grund, warum die Lizenz nicht als Open-Source-Lizenz im Sinne der OSI gilt.
- Hinweispflicht. Wer Llama-Materialien oder ein darauf aufbauendes Produkt verbreitet, muss „Built with Llama" sichtbar anbringen — „on a related website, user interface, blogpost, about page, or product documentation".
- Namenspflicht für Derivate. Ein mit Llama-Materialien erstelltes, trainiertes oder verbessertes KI-Modell muss „Llama" am Anfang des Namens tragen. Ein hausinternes Fine-Tuning „Vertragsprüfer-7B" heißt dann „Llama-Vertragsprüfer-7B".
- Weitergabebedingungen. Kopie der Lizenz beilegen; in einer Notice-Datei den Satz „Llama 4 is licensed under the Llama 4 Community License, Copyright © Meta Platforms, Inc. All Rights Reserved." aufnehmen.
- Nutzungsrichtlinie und Kündigung. Die Nutzung muss der „Acceptable Use Policy" entsprechen. Bei Verstoß kann Meta kündigen, und dann gilt: „you shall delete and cease use of the Llama Materials".
Der letzte Punkt ist der, der im Betrieb zählt. Eine Apache-2.0-Lizenz kann nicht entzogen werden; eine Community License kann es. Dass die Richtlinie selbst — Verbot von Gewalt, Täuschung, unerlaubter Rechtsausübung, Umgehung von Schutzmechanismen — für ein mittelständisches Haus kaum eine Einschränkung bedeutet, ändert nichts an der Struktur: Der Hersteller behält einen Hebel. Vertragspartner für Unternehmen im EWR ist laut Lizenz Meta Platforms Ireland Limited.
/05AI Act: Anbieter oder Betreiber — Stand nach dem Digital Omnibus
Die Lizenz regelt das Verhältnis zum Hersteller. Die KI-Verordnung regelt das Verhältnis zum Staat, und sie unterscheidet nicht nach Lizenz, sondern nach Rolle. Die Pflichten für Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck — technische Dokumentation, Informationen für nachgelagerte Anbieter, Urheberrechtsstrategie, Zusammenfassung der Trainingsinhalte — gelten seit dem 2. August 2025 und richten sich an denjenigen, der das Modell in Verkehr bringt: Google, Meta, Aleph Alpha, Mistral. Ein Unternehmen, das die Gewichte herunterlädt und on-premise in vLLM betreibt, ist Betreiber des darauf aufsetzenden Systems, nicht Anbieter des Modells.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens kann aus einem Betreiber ein Anbieter werden, wenn er das Modell wesentlich verändert und unter eigenem Namen weitergibt — wo diese Grenze bei Fine-Tuning und Distillation verläuft, haben wir in GPAI-Pflichten 2026 ausgeführt; ein internes LoRA ohne Weitergabe ist davon weit entfernt. Zweitens sind die Transparenzpflichten nach Artikel 50 — Kennzeichnung von KI-Interaktion und synthetischen Inhalten — seit dem 2. August 2026 Betreiberpflichten, unabhängig davon, unter welcher Lizenz das Modell läuft.
Der Digital Omnibus (Verordnung (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27. Juli 2026) hat die Hochrisiko-Pflichten auf den 2. Dezember 2027 (Anhang III) und den 2. August 2028 (Anhang I) verschoben; die Einzelheiten stehen in Digital Omnibus: AI-Act-Fristen 2027. An der Rollenverteilung zwischen Modellanbieter und Betreiber hat der Omnibus nichts geändert. Für die Lizenzprüfung heißt das: Fragen Sie den Hersteller nach der GPAI-Dokumentation, nicht die Lizenz. Bei Kolibri-1 liegt sie öffentlich auf Hugging Face; bei anderen Modellen ist sie der erste Punkt der Lieferantenanfrage.
Lizenz, Datenherkunft, Rolle nach AI Act, Betriebsvereinbarung — das sind vier getrennte Prüfungen, die in der Praxis in einem Termin zusammenfallen. KI-Beratung — Modellwahl und Lizenzprüfung im Potenzial-Workshop, ohne Herstellerprovision, Ergebnis als umsetzungsreifer Bericht.
/06Die Vergleichstabelle: sieben Prüfpunkte, sechs Lizenzen
Die Tabelle fasst die Lizenztexte an den sieben Punkten zusammen, nach denen ein Mittelständler fragen muss. Quelle ist jeweils die LICENSE-Datei bzw. die Lizenzseite des Herstellers, Stand 11. Oktober 2026.
| Prüfpunkt | Apache 2.0 (Gemma 4, Kolibri-1, Glimmer, Small 4, Qwen3.8) | MIT (DeepSeek V4.1-Flash) | GLM-5.3 License (Z.AI) | Modified MIT (Mistral Medium 3.5) | Llama 4 Community License | Mistral Large 4 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kommerzielle Nutzung intern | ja | ja | ja | nur bis 20 Mio. $ Monatsumsatz, darüber Vertrag | ja, bis 700 Mio. MAU | unbekannt |
| Weitergabe / Dienst für Dritte | ja, mit Lizenz- und NOTICE-Hinweis | ja, mit Hinweis | ja; MaaS ab 10 Mrd. $ Umsatz nur nach Sicherheitsprüfung durch Z.AI | Umsatzgrenze gilt auch hier | ja, mit Lizenzkopie, Notice-Datei und „Built with Llama" | unbekannt |
| Fine-Tuning-Derivate behalten / weitergeben | ja, Änderungshinweis | ja | ja | ja, Umsatzgrenze vererbt sich | ja, Name muss mit „Llama" beginnen | unbekannt |
| Attributions- / Namenspflicht | NOTICE-Datei | Lizenzhinweis | Lizenzhinweis | Hinweis „2026 - Mistral AI" | „Built with Llama" + Namenspräfix | unbekannt |
| Nutzungsrichtlinie (AUP) | nicht Teil der Lizenz; Google verweist daneben auf eine Prohibited Use Policy | — | — | Verbot rechtsverletzender Nutzung | ja, Acceptable Use Policy ist Vertragsbestandteil | unbekannt |
| Kündbarkeit durch Hersteller | nur bei Patentklage des Nutzers (Abschnitt 3) | — | — | — | ja, bei Verstoß; Löschpflicht | unbekannt |
| Patentlizenz | ja, ausdrücklich | nicht ausdrücklich | nicht ausdrücklich | nicht ausdrücklich | nicht ausdrücklich | unbekannt |
| Gewährleistung / Haftung | ausgeschlossen | ausgeschlossen | ausgeschlossen | ausgeschlossen | ausgeschlossen | unbekannt |
Die letzte Zeile ist in allen Spalten gleich und wird am häufigsten überlesen: Kein Hersteller haftet für das, was sein Modell ausgibt. Die Verantwortung für eine falsche Vertragsklausel, eine erfundene Norm oder eine diskriminierende Vorauswahl liegt beim Betreiber — bei Apache 2.0 genauso wie bei der Community License. Das ist keine Formsache, sondern der Grund, warum ein Eval-Set und ein Freigabeprozess zum Betrieb gehören.
Welche Betreiberpflichten unabhängig von der Lizenz gelten — Kennzeichnung, Kompetenznachweis, Protokollierung —, lässt sich in zehn Minuten abgleichen. EU AI Act Checkliste — Compliance-Check nach dem Stand des Digital Omnibus.
/07Wann ein Modell trotz offener Lizenz die falsche Wahl ist
Die Lizenz ist ein Ausschlusskriterium, kein Auswahlkriterium. Dass ein Modell unter Apache 2.0 steht, macht es nicht zur richtigen Wahl — und ein paar Konstellationen machen es trotz freier Lizenz zur falschen:
- Die Lizenz ist frei, die Hardware fehlt. DeepSeek V4.1-Flash steht unter MIT, hat laut Modellkarte 763 Milliarden Parameter und braucht in FP8 aus der Parameterzahl gerechnet mehr als 700 GB nur für die Gewichte. Mistral Large 3 unter Apache 2.0 läuft laut Modellkarte auf einem Acht-GPU-Knoten. „Dürfen" und „können" sind zwei Prüfungen.
- Die Lizenz ist frei, die Datenherkunft ist undokumentiert. Für ein Haus unter Aufsicht ist ein Modell ohne Angaben zu Trainingsdaten und Sperrlisten im Audit schwerer zu verteidigen als ein Modell mit restriktiverer Lizenz und vollständiger Dokumentation. Wie man die Herkunft von Gewichten überhaupt prüft, steht in KI-Lieferkette absichern.
- Die Lizenz ist frei, die Nutzungsrichtlinie steht daneben. Google veröffentlicht für Gemma neben Apache 2.0 eine „Gemma Prohibited Use Policy" (zuletzt geändert 21. Februar 2024) und ein „Intended Use Statement"; ob und wie diese Dokumente für die Apache-2.0-Gewichte von Gemma 4 verbindlich sind, sagt die Lizenzseite nicht. Das Repository von Muse Glimmer-30B führt im Commit „license and usage policy". Wer Apache 2.0 liest und die Nebendokumente nicht, hat die Hälfte gelesen.
- Die Lizenz ist frei, der Umsatz nicht. Ein Konzern mit 25 Millionen $ Monatsumsatz darf Mistral Medium 3.5 nicht ohne Vertrag betreiben, egal wie klein das Projekt ist. Die Schwelle steht in der Lizenz, nicht in der Pressemitteilung.
- Die Lizenz ist noch nicht da. Ein Projekt auf Mistral Large 4 zu planen, bevor der Text veröffentlicht ist, ist keine Lizenzprüfung, sondern eine Wette auf Mistrals Entscheidung zwischen Apache 2.0 (Large 3) und Modified MIT (Medium 3.5).
In der Praxis scheitern Projekte seltener an der Lizenz als an der Reihenfolge: Die Rechtsabteilung bekommt die Lizenz, nachdem der Proof of Concept läuft. Dann ist der Wechsel teuer — und das Modell mit der freieren Lizenz hätte dieselbe Aufgabe gelöst.
/08Entscheidung: die Prüfregel in sieben Fragen
Die Entscheidung lässt sich auf eine Regel bringen, die vor dem ersten vllm serve in zehn Minuten durchläuft. Sie ersetzt keine Rechtsberatung, aber sie sortiert vor:
- Welche Datei? LICENSE im Hugging-Face-Repository öffnen, nicht das Lizenzfeld der Karte und nicht den Blogpost. Fehlt die Datei: stopp.
- Welcher Typ? Unveränderter Apache-2.0- oder MIT-Text: weiter zu Frage 6. Alles andere: Fragen 3 bis 5.
- Welche Schwelle? Nutzerzahl (Llama: 700 Mio. MAU), Umsatz (Mistral Medium: 20 Mio. $ Monat; GLM: 10 Mrd. $ Jahr, nur MaaS). Konzernweit rechnen, nicht projektweise.
- Welche Pflichten beim Weitergeben? Hinweis, Namenspräfix, Lizenzkopie. Betrifft auch ein Fine-Tuning, das an eine Tochtergesellschaft geht.
- Kann der Hersteller kündigen? Wenn ja: Was passiert mit dem laufenden System? Ein Ausstiegsmodell unter Apache 2.0 als Reserve einplanen.
- Gibt es Nebendokumente? Nutzungsrichtlinie, Intended-Use-Statement, Sicherheitsrichtlinie. Lesen, ablegen, Datum notieren.
- Liefert der Hersteller die GPAI-Dokumentation? Technische Dokumentation und Zusammenfassung der Trainingsinhalte. Das ist keine Lizenzfrage, aber die Antwort entscheidet, ob Sie im Audit etwas vorlegen können.
Daraus folgt für die drei typischen Häuser: Ein Mittelständler ohne Weitergabe an Dritte, unter 20 Millionen $ Monatsumsatz, wählt frei zwischen allen sechs Gruppen und sollte bei gleicher Eignung Apache 2.0 bevorzugen, weil es die einzige Gruppe ohne Hebel des Herstellers ist. Ein Konzern über der Mistral-Schwelle streicht Medium 3.5 ohne Vertrag und prüft bei Llama die Namenspflicht für interne Derivate. Ein IT-Dienstleister, der Modelle für Kunden betreibt, braucht Apache 2.0 oder MIT — die Community License und die Modified MIT vererben Pflichten an jeden Kunden, und das wird im Angebot zur Fußnote, die niemand lesen will. Bei vergaberechtlichen Beschaffungen kommt dazu, was Open Source ausschreiben zum Bundestagsgutachten vom Juli 2026 zusammenträgt.
Die Lizenzfrage ist ein Baustein, der Betrieb die Architektur: Ein Haus, das heute Kolibri-1 oder Gemma 4 wählt, will in einem Jahr ohne Lizenzrisiko auf das nächste Modell wechseln. ki·spezial System — Open-Weight-Modelle frei wechselbar, Monitoring und Updates im Betrieb.
/09Lizenzprüfung als Betriebsvorgang: Revision festnageln
Lizenztexte auf Hugging Face sind Dateien in einem Git-Repository. Sie können sich ändern, und sie ändern sich — ein Hersteller kann die LICENSE-Datei in einem neuen Commit austauschen, und huggingface-cli download ohne Revisionsangabe zieht immer den aktuellen Stand. Wer eine Lizenz geprüft hat, hat eine bestimmte Fassung geprüft. Deshalb gehört zur Freigabe die Revision, nicht nur der Repositoryname:
# Geprüfte Revision festhalten und Lizenztext mit Prüfsumme ablegen
huggingface-cli download Aleph-Alpha/Kolibri-1 LICENSE config.json \
--revision main --local-dir ./kolibri-1-pruefung
sha256sum ./kolibri-1-pruefung/LICENSE | tee lizenz-kolibri-1-2026-10-11.sha256
# Commit-Hash der geprüften Fassung notieren (aus der API, ohne Download)
curl -s https://huggingface.co/api/models/Aleph-Alpha/Kolibri-1 | python3 -c \
"import sys,json; print(json.load(sys.stdin)['sha'])"
# Produktiv immer mit fester Revision laden
vllm serve Aleph-Alpha/Kolibri-1 --revision <geprüfter-commit-hash> \
--kv-cache-dtype fp8 --reasoning-parser kolibri1 --tool-call-parser kolibri1
Drei Dinge leistet dieser Ablauf. Die Prüfsumme belegt, welcher Text freigegeben wurde — im Audit zwei Jahre später ist das die einzige Antwort auf die Frage „welche Lizenz galt damals?". Der Commit-Hash sorgt dafür, dass ein Modellupdate nicht unbemerkt eine andere Lizenz mitbringt; ein Wechsel der Gewichte ist dann ein bewusster Vorgang mit erneuter Prüfung. Und das Festnageln der Revision schützt zugleich vor stillen Änderungen an Gewichten oder Konfiguration — ein Nebeneffekt, der aus Sicht der Lieferkettensicherheit wichtiger ist als der Lizenzaspekt.
Für den Betrieb heißt das: Lizenzprüfung ist kein Ereignis vor dem Projekt, sondern ein Schritt in jedem Modellwechsel — so wie ein Eval-Lauf. Wer beides in dieselbe Checkliste schreibt, hat die Rechtsabteilung und den Administrator an einem Tisch, und zwar vor dem ersten Start statt nach dem ersten Vorfall.
/10Quellen & Primärbelege
Alle Zahlen, Einordnungen und Quellenangaben in diesem Beitrag wurden vor der Veröffentlichung gegen die folgenden Primärquellen geprüft.
- Lizenzdatei Kolibri-1 Apache License, Version 2.0, January 2004, unverändert; abgerufen am 11.10.2026.
- Lizenzdatei Muse Glimmer-30B Apache License Version 2.0, unverändert; Commit-Nachricht „Add Apache-2.0 license and usage policy"; abgerufen am 11.10.2026.
- Google: Gemma 4 License Apache License 2.0 für Gemma 4 mit Verweisen auf „Prohibited use" und „Intended use statement"; abgerufen am 11.10.2026.
- Google: Gemma Prohibited Use Policy Zuletzt geändert 21.02.2024; Verbotskategorien; keine Aussage zur Verbindlichkeit für Apache-2.0-Gewichte; abgerufen am 11.10.2026.
- Lizenzdatei DeepSeek V4.1-Flash MIT License, Copyright (c) 2023 DeepSeek, Standardtext; Modellkarte nennt 763 B Parameter; abgerufen am 11.10.2026.
- Lizenzdatei GLM-5.3 (Z.AI) „GLM-5.3 License": MIT-Wortlaut plus Sicherheitsprüfung für MaaS-Betreiber über 10 Mrd. $ Umsatz in zwölf Monaten, Definition „Model as a Service"; abgerufen am 11.10.2026.
- Lizenzdatei Mistral Medium 3.5 128B „Modified MIT License": kommerzielle Lizenz nötig ab 20 Mio. $ konsolidiertem Monatsumsatz, gilt für Derivate, Hinweis „2026 - Mistral AI"; abgerufen am 11.10.2026.
- Meta: Llama 4 Community License Agreement Fassung vom 05.04.2025; 700 Mio. MAU, „Built with Llama", Namenspräfix „Llama", Notice-Datei, Acceptable Use Policy, Kündigung und Löschpflicht, Meta Platforms Ireland für den EWR; abgerufen am 11.10.2026.
- Meta: Llama 4 Acceptable Use Policy Verbotskategorien der Nutzungsrichtlinie; abgerufen am 11.10.2026.
- Mistral AI Dokumentation: Modellübersicht Lizenzspalte: Mistral Large 4 „Open", Mistral Medium 3.5 „Modified MIT", Mistral Small 4, Mistral Large 3 und Ministral 3 „Apache 2.0"; abgerufen am 11.10.2026.
- Mistral AI: Introducing Mistral Large 4 Ankündigung vom 06.10.2026, Gewichte „by the end of the month", kein Lizenzname; abgerufen am 11.10.2026.
- Modellkarte Mistral Large 3 Apache 2.0; FP8 auf einem B200-/H200-Knoten; abgerufen am 11.10.2026.
- Google Developers Blog: Gemma 4 Veröffentlicht 02.04.2026, „now available under the Apache 2.0 license"; abgerufen am 11.10.2026.
- Hugging Face Blog: Muse Glimmer Veröffentlichung 10.08.2026, Apache 2.0, Repository meta-models/Muse-Glimmer-30B; abgerufen am 11.10.2026.
/11Häufige Fragen
Dürfen wir ein Apache-2.0-Modell kommerziell nutzen, ohne jemanden zu fragen?
Ja. Apache 2.0 erlaubt Nutzung, Veränderung, Weitergabe und Verkauf ohne Nutzer- oder Umsatzschwellen; bei Weitergabe sind Lizenz- und NOTICE-Hinweis sowie ein Änderungsvermerk beizufügen. Was die Lizenz nicht abnimmt, sind Datenschutz, Betreiberpflichten nach der KI-Verordnung und die Haftung für die Ausgaben.
Was passiert, wenn der Hersteller die Lizenz nachträglich ändert?
Für die Fassung, die Sie heruntergeladen haben, gilt der Text, der zu diesem Zeitpunkt beilag; Apache 2.0 und MIT sind nicht widerruflich. Neue Versionen des Modells können unter einer anderen Lizenz erscheinen. Deshalb gehören Revision und Prüfsumme der geprüften LICENSE-Datei in die Freigabe, und jeder Modellwechsel wird neu geprüft.
Betrifft uns die 700-Millionen-Nutzer-Grenze von Llama?
Praktisch nein, sie zielt auf die größten Plattformen. Relevant für den Mittelstand sind bei Llama 4 die Hinweispflicht „Built with Llama", das Namenspräfix für abgeleitete Modelle, die Nutzungsrichtlinie als Vertragsbestandteil und das Kündigungsrecht bei Verstoß.
Ist GLM-5.3 jetzt MIT oder nicht?
Der Text übernimmt den MIT-Wortlaut, trägt aber den Namen „GLM-5.3 License" und enthält eine Zusatzbedingung: Betreiber eines Model-as-a-Service mit mehr als 10 Milliarden $ Umsatz in zwölf Monaten müssen vor kommerzieller Nutzung eine Sicherheitsprüfung durch Z.AI bestehen. Für den internen Betrieb im Mittelstand hat das keine Wirkung, es ist aber keine MIT-Lizenz.
Macht uns Fine-Tuning zum Anbieter nach der KI-Verordnung?
Ein internes Fine-Tuning ohne Weitergabe macht Sie nicht zum Anbieter eines Modells mit allgemeinem Verwendungszweck. Wer ein wesentlich verändertes Modell unter eigenem Namen in Verkehr bringt, kann Anbieterpflichten auslösen. Die GPAI-Pflichten gelten seit dem 2. August 2025 für die Hersteller; der Digital Omnibus hat daran nichts geändert.
Welche Lizenz sollten wir bevorzugen, wenn mehrere Modelle gleich gut sind?
Apache 2.0, weil sie als einzige der verglichenen Lizenzen eine ausdrückliche Patentlizenz enthält und dem Hersteller keinen Kündigungshebel außer bei Patentklage lässt. Danach MIT. Eigenlizenzen nur, wenn das Modell einen klaren fachlichen Vorteil hat und die Schwellen und Pflichten geprüft sind.
Reicht es, wenn die Modellkarte „Apache 2.0" sagt?
Nein. Das Lizenzfeld ist eine Metadatenangabe, die der Hochladende setzt. Maßgeblich ist die LICENSE-Datei im Repository, dazu etwaige Nebendokumente wie Nutzungsrichtlinien. Bei Gemma 4 steht Apache 2.0 in der Datei, Google verweist aber daneben auf eine Prohibited Use Policy — beides gehört in die Akte.