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MITRE ATT&CK v20 kennt jetzt Prompt Injection: welche Logs Ihres LLM-Stacks T1698, T1699 und T1700 zeigen

MITRE hat am 13. Oktober 2026 ATT&CK v20 veröffentlicht und darin erstmals eigene Techniken für direkte und indirekte Prompt Injection sowie für Datenabfluss über KI-Agenten angelegt. Eine Erkennungsstrategie gibt es nur für den Abfluss – DET0927 mit drei Analytics. Dieses Tutorial ordnet die drei Techniken den Log-Quellen eines eigenen LLM-Stacks zu und zeigt zwei Beispielregeln. Ehrlich: Die Injektion selbst bleibt schwer zu erkennen, ihre Folgen nicht.

Kategorie TutorialsStand 28.10.2026Lesezeit 19 Min.Quellen 7 Primärbelege
Das Wichtigste in Kürze
  • MITRE ATT&CK v20 ist seit dem 13. Oktober 2026 die aktuelle Version und enthält erstmals die Techniken T1698 Indirect Prompt Injection, T1699 Direct Prompt Injection und T1700 AI-Enabled Exfiltration.
  • DET0927 ist die einzige Erkennungsstrategie für diese drei Techniken: Sie gilt T1700 und sucht mit drei Analytics für Windows, Linux und SaaS die Abfolge aus Datenzugriff außerhalb des erlaubten Bereichs und Übertragung an ein nicht erlaubtes Ziel.
  • Inferenzserver-Logs von vLLM oder Ollama zeigen Prompt-Injection-Angriffe kaum; aussagekräftig sind Tool-Call-Protokolle mit Agent-Identität, die Herkunft der RAG-Treffer, auditd auf dem Agenten-Host und die Egress-Firewall.
  • Erkennung nach DET0927 setzt je Analytic vier bis fünf vom Betreiber festgelegte Werte voraus, darunter erlaubter Datenbereich, erwarteter Prozessbaum und erlaubte Ziele – ohne sie läuft keine Regel sinnvoll.
  • Ein interner Chat-Assistent ohne Werkzeuge braucht keine Erkennung für KI-Exfiltration; erst Agenten mit Sendefunktion oder Zugriff auf Code und Kundendaten machen T1700 zum Betriebsthema.
KI-Transparenzhinweis: Dieser Beitrag wurde teilweise mit Unterstützung von KI-Systemen erstellt und vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Kennzeichnung gemäß EU-KI-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1689).

/01Was MITRE am 13. Oktober in Version 20 veröffentlicht hat

ATT&CK v20 ist seit dem 13. Oktober 2026 die aktuelle Version der Wissensbasis von MITRE. Zum ersten Mal stehen darin eigene Techniken für Angriffe auf und über Sprachmodelle: T1698 Indirect Prompt Injection, T1699 Direct Prompt Injection und T1700 AI-Enabled Exfiltration. Für T1700 gibt es mit DET0927 auch gleich eine Erkennungsstrategie. Für die beiden Prompt-Injection-Techniken gibt es keine.

Die Release-Seite fasst den Schwerpunkt der Version als erweiterte Abdeckung „recent adversary activity and tradecraft“ zusammen, ausdrücklich auch mit KI-bezogenen und KI-gestützten Techniken. Dazu kommen T1608.007 (AI Result Poisoning, mit der Erkennungsstrategie DET0922), T1685.007 (Impair Autonomous Defenses) und die Kampagne C0064 „AI-Assisted Breach of Mexico's Government Infrastructure“. Die Enterprise-Matrix umfasst jetzt 15 Taktiken, 227 Techniken, 479 Untertechniken, 703 Erkennungsstrategien und 1.770 Analytics.

Warum das für einen Mittelständler mit eigenem Sprachmodell wichtig ist: ATT&CK ist die Sprache, in der SOC-Dienstleister, SIEM-Hersteller und Prüfer Abdeckung beschreiben. Bisher landeten Vorfälle mit KI-Agenten dort unter Sammelbegriffen oder gar nicht. Ab v20 kann ein Haus fragen: Welche unserer Log-Quellen zeigt T1698? Wer hat eine Regel für T1700? Das ist eine prüfbare Frage. „Sind wir gegen Prompt Injection geschützt?“ ist das nicht.

Dieser Artikel behandelt das Erkennen, nicht das Abwehren. Schutzmaßnahmen in einer RAG-Pipeline, Vertrauensbereiche im Prompt und Egress-Filter sind eigene Themen. Hier geht es um die Frage, die danach kommt: Wenn eine Injektion durch alle Schichten gerutscht ist – woran sehen Sie es, in welchem Log, mit welcher Regel?

/02T1698, T1699, T1700: drei Techniken, eine Kette

Die drei Techniken sind nicht nebeneinander gedacht, sondern hintereinander. T1698 und T1699 sitzen in der Taktik Execution (TA0002), T1700 in Exfiltration (TA0010). Die Beschreibung von T1700 sagt es direkt: Angreifer nutzen direkte oder indirekte Prompt Injection, um „enterprise AI agents to exfiltrate data“ zu bewegen – mit Werkzeugen, die der Agent ohnehin freigegeben hat.

Die drei KI-Techniken in ATT&CK v20 (Stand der Technikseiten, abgerufen 22.10.2026)
IDNameTaktikErstelltErkennungsstrategieMitigations laut MITRE
T1698Indirect Prompt InjectionExecution18.09.2026keineM1038, M1030, M1026, M1022, M1018, M1017
T1699Direct Prompt InjectionExecution18.09.2026keineM1038, M1026, M1018, M1017
T1700AI-Enabled ExfiltrationExfiltration22.09.2026DET0927 (drei Analytics)M1048, M1022, M1017

T1698 Indirect Prompt Injection beschreibt Anweisungen, die in Inhalten versteckt sind, die ein KI-System wahrscheinlich verarbeitet: Webseiten, Dokumente, E-Mails, Tickets, Code. Im eigenen Betrieb ist das jeder Text, der über Retrieval, einen Mailabruf oder ein Werkzeugergebnis in den Kontext kommt. Die Technikseite nennt als Folge ausdrücklich die „unauthorized execution of any capabilities available to the LLM“ – also alles, was der Agent per Werkzeugaufruf kann.

T1699 Direct Prompt Injection ist die Eingabe in die Oberfläche selbst: Anweisungen, die Schutzregeln umgehen, Kontext manipulieren oder vorherige Anweisungen überschreiben. Der klassische Jailbreak fällt hierunter. MITRE führt zwei Prozedurbeispiele, beide aus öffentlich dokumentierten Kampagnen (C0064 und C0062), in denen sich der Angreifer gegenüber dem Modell als Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma ausgab oder Dateioperationen in den Prompt schrieb.

T1700 AI-Enabled Exfiltration ist der Schritt, der Schaden macht: Der Agent trägt Daten hinaus. MITRE verweist darauf, dass dann zusätzlich bekannte Techniken greifen können, etwa T1567 (Exfiltration Over Web Service) oder T1567.001 (Exfiltration to Code Repository). Für einen SOC ist das der vertraute Teil – neu ist nur, wer die Daten bewegt.

Merksatz: Die Injektion selbst ist schwer zu erkennen, ihre Folge nicht. Darum hat MITRE die Erkennungsstrategie an T1700 gehängt und nicht an T1698.

Ein Detail, das auffällt: Als Plattformen nennen alle drei Techniken „SaaS, Windows“. Linux steht nicht dabei, obwohl die meisten eigenen Inferenzserver auf Linux laufen. Die Erkennungsstrategie DET0927 hat trotzdem eine Linux-Variante. Wer seine Abdeckung nach Plattform-Filter im ATT&CK Navigator prüft, sieht die Techniken für einen On-Premise-Stack also womöglich gar nicht – das ist ein Filterproblem, kein Entwarnungssignal.

/03DET0927: wie MITRE KI-Exfiltration erkennen will

DET0927 „Detect AI-Enabled Exfiltration“ ist am 24. September 2026 angelegt worden und besteht aus drei Analytics. Alle drei folgen demselben Muster: Ein KI-Prozess oder Agent greift auf Daten außerhalb seines Auftrags zu, und innerhalb eines Zeitfensters folgt eine Übertragung an ein Ziel außerhalb der erlaubten Datenflüsse. Kein Analytic versucht, den bösen Prompt zu finden. Alle suchen die Abfolge.

  • AN2079 (Windows): Ein KI-zugeordneter Prozess liest Daten außerhalb seines erlaubten Bereichs; derselbe Prozessbaum startet danach eine übertragungsfähige Ausführung und baut eine Verbindung zu einem nicht erlaubten Ziel auf. Log-Quellen: Security-Ereignisse 4663, 4670, 4656 (Dateizugriff), PowerShell 4103 bis 4106, Sysmon-Ereignis 1 (Prozessstart).
  • AN2078 (SaaS): Ein Agent greift auf geschützte Daten zu, ruft mit diesen oder abgeleiteten Daten ein Werkzeug oder eine API auf, und der Zieldienst verzeichnet eine erfolgreiche Übertragung außerhalb der erlaubten Datenflüsse. Log-Quellen: das Audit-Log der SaaS-Anwendung und – als einziges namentlich genanntes KI-Produkt – die Agent-Traces von AWS Bedrock (Werkzeugaufruf und Wissensbasis-Abfrage).
  • AN2080 (Linux): dieselbe Abfolge wie AN2079, gemessen über auditd: open/read für den Dateizugriff, EXECVE für den Prozessstart, connect für die Netzverbindung.

Der wichtigste Teil von DET0927 sind die sogenannten Mutable Elements – Werte, die jedes Haus selbst festlegen muss, bevor eine Regel überhaupt laufen kann. MITRE nennt unter anderem AuthorizedAIDataScope (welche Datenpfade oder Datenklassen der KI-Dienst lesen darf), ExpectedAIProcessTree (welche Eltern-Kind-Prozesse bei sauberem Betrieb auftreten), AuthorizedAIEndpoints (welche Ziele erlaubt sind), AuthorizedAIDataFlows (Quelle → Werkzeug → Ziel) und ein Zeitfenster zwischen Zugriff und Übertragung, das aus sauberen Abläufen abgeleitet wird.

Ehrlich: Das ist die eigentliche Arbeit. Eine Regel, die „Zugriff außerhalb des erlaubten Bereichs“ sucht, ist wertlos, solange niemand aufgeschrieben hat, was der erlaubte Bereich ist. Die meisten Mittelständler, die einen Agenten an Laufwerke, Ticketsystem und Mail gehängt haben, können diese Werte heute nicht ausfüllen. DET0927 ist deshalb weniger eine fertige Regel als eine Checkliste für das Betriebskonzept.

/04Zuordnung: welche Log-Quelle welche Technik zeigt

MITRE beschreibt Windows, Linux und SaaS – aber keinen eigenen LLM-Stack mit vLLM oder Ollama, einem Gateway davor und Werkzeugen über MCP. Die folgende Zuordnung überträgt die drei Techniken auf die Log-Quellen eines solchen Stacks. Sie ist unsere Arbeitshilfe, keine MITRE-Veröffentlichung.

T1698, T1699, T1700 im eigenen LLM-Stack: Log-Quelle und was man dort sieht (Arbeitshilfe ki·spezial)
Log-QuelleT1699 direktT1698 indirektT1700 ExfiltrationAussagekraft
LLM-Gateway / Reverse-Proxy (Anfrage und Antwort mit Benutzer)Eingaben mit Überschreibungsmustern, auffällige Längen, Serien abgelehnter Anfragen eines KontosNur indirekt: Antworten, die plötzlich Werkzeugaufrufe oder URLs enthaltenAntworten mit Markdown-Bildern oder Links auf externe Ziele, kodierte BlöckeHoch für T1699, mittel für T1700
Inferenzserver (vLLM, Ollama)Anfrage-IDs, Tokenzahlen, FehlerUngewöhnlich lange Kontexte aus RAG-AbrufenKaumNiedrig – Betriebsdaten, keine Inhalte
RAG-Abruf (Retriever, Vektordatenbank)–Welches Dokument in welchem Kontext landete; Quelle, Zeitpunkt, AufnahmewegAbruf von Datenklassen, die zum Auftrag nicht passenHoch für T1698 – der einzige Ort, der die Herkunft zeigt
Tool-Call-Protokoll des Agenten-FrameworksWerkzeugaufrufe, die der Nutzer nicht verlangt hatWerkzeugaufruf unmittelbar nach Verarbeitung eines externen DokumentsSende-, Upload-, Schreibaufrufe mit Ziel außerhalb der ListeSehr hoch – entspricht AN2078
MCP-Server-Logs–Neue oder seltene Werkzeuge, ungewöhnliche ParameterAufrufe von Mail-, Ticket-, Git- oder HTTP-Werkzeugen mit externen EmpfängernHoch, wenn je Aufruf Agent-Identität und Parameter protokolliert werden
auditd auf dem Agenten-Host––Lesezugriff außerhalb des Datenbereichs, dann connect nach außenHoch – entspricht AN2080
Egress-Firewall / Proxy–Aufrufe an URLs, die im Dokument standenVerbindungen zu Zielen außerhalb der Erlaubnisliste, abgewiesene VersucheHoch, aber ohne Kontext, welcher Prompt dazu führte
Audit-Logs der Zielsysteme (Mail, DMS, Git)––Versand, Freigabe, Push durch die Agent-IdentitätHoch – der Beweis, dass die Übertragung stattfand

Drei Dinge zeigt die Tabelle. Erstens: Die Inferenzserver-Logs helfen fast nicht. Wer seine Erkennung bei vLLM oder Ollama beginnt, schaut auf die falsche Schicht. Zweitens: T1698 ist nur dort sichtbar, wo die Herkunft eines Kontextstücks protokolliert wird – im RAG-Abruf und im Tool-Call-Protokoll. Drittens: Für T1700 reichen klassische Quellen (auditd, Firewall, Audit-Logs der Zielsysteme), sobald die Agent-Identität darin unterscheidbar ist.

Der letzte Punkt ist der unterschätzte. Ein Agent, der Mails mit dem Konto des Sachbearbeiters verschickt, ist in keinem Audit-Log vom Menschen zu unterscheiden. MITRE schreibt bei T1698 unter M1018 sinngemäß: Agenten bekommen eigene Identitäten mit minimalen Rechten, und abgerufene Inhalte dürfen den Berechtigungskontext nicht ändern. Das ist Abwehr – aber zugleich die Voraussetzung für jede Erkennung.

Eigene Agent-Identitäten, eine Liste erlaubter Werkzeuge und Ziele, ein Protokoll je Werkzeugaufruf – das sind die Mutable Elements aus DET0927, und sie entstehen nicht im SIEM, sondern im Betriebskonzept. Agent Governance — Rollen, Rechte, Freigaben und Protokollierung für KI-Agenten, so festgelegt, dass ein SOC damit arbeiten kann.

/05Protokollierung im eigenen LLM-Stack einschalten

Bevor eine Regel greift, müssen die Daten da sein. In der Praxis fehlen drei Dinge am häufigsten: das Tool-Call-Protokoll mit Agent-Identität, die Herkunft der RAG-Treffer und die Zuordnung des Agenten-Prozesses auf dem Host. Für die dritte Lücke genügt auditd, und die Regeln dafür sind in zehn Minuten gesetzt.

# /etc/audit/rules.d/50-ki-agent.rules  (Beispiel; Pfade und Benutzer anpassen)
# Agent läuft als eigener Dienstbenutzer "kiagent" (UID per: id -u kiagent)

# 1) Lesezugriffe auf schützenswerte Ablagen (AuthorizedAIDataScope liegt AUSSERHALB davon)
-a always,exit -F arch=b64 -S openat -F dir=/srv/personal -F uid=1050 -k ki_daten_ausserhalb
-a always,exit -F arch=b64 -S openat -F dir=/srv/finanzen -F uid=1050 -k ki_daten_ausserhalb

# 2) Prozessstarts des Agenten (ExpectedAIProcessTree)
-a always,exit -F arch=b64 -S execve -F uid=1050 -k ki_exec

# 3) Netzverbindungen des Agenten
-a always,exit -F arch=b64 -S connect -F uid=1050 -k ki_connect

# laden und prüfen
augenrules --load
auditctl -l | grep ki_
ausearch -k ki_exec --raw --start today | aureport -x --summary -i

Wichtig ist --raw: Mit ausearch -i im Rohr meldet aureport „no events of interest“ (getestet mit audit 4.0.2 am 22.10.2026). Die Ausgabe von aureport -x --summary nach einer Woche sauberem Betrieb ist Ihr ExpectedAIProcessTree: typischerweise der Python-Interpreter des Agenten-Frameworks und eine Handvoll Hilfsprogramme. Taucht später curl, scp, git oder eine Shell auf, die vorher nie lief, ist das genau die „transfer-capable execution“ aus AN2080.

Für das Tool-Call-Protokoll gibt es keinen Standard. Bewährt hat sich eine JSON-Zeile je Aufruf, geschrieben vom Gateway oder vom MCP-Proxy, nicht vom Agenten selbst – ein kompromittierter Agent soll sein eigenes Protokoll nicht schreiben. Pflichtfelder aus unserer Sicht: Zeitstempel, Agent-Identität, auslösender Benutzer, Sitzungs-ID, Werkzeugname, Ziel (Empfänger, URL, Repository), Größe der Nutzlast, Liste der Dokument-IDs, die im Kontext dieser Anfrage standen. Das letzte Feld verbindet T1698 mit T1700: Es zeigt, welches Dokument im Kontext war, als der Agent zu senden begann.

Inhalte von System-Prompt, Nutzereingabe und Modellantwort gehören in ein getrenntes Log mit kürzerer Aufbewahrung und Zugriff nur für Berechtigte. Für die Erkennung reichen meist Metadaten; für die Aufklärung braucht man die Inhalte. Die Aufbewahrungsfrist klären Sie mit dem Datenschutzbeauftragten, nicht mit dem SOC.

/06Beispielregeln: Sigma und Wazuh für das LLM-Gateway

Die folgenden zwei Regeln sind Beispiele für die Abfolge aus DET0927, angepasst auf ein Tool-Call-Protokoll im JSON-Format. Sie sind nicht von MITRE und nicht aus einem Regel-Repository; Feldnamen und Schwellen müssen auf Ihr Protokoll angepasst werden. Die Sigma-Regel nutzt eine eigene Log-Quelle, weil Sigma für LLM-Gateways keine Standardkategorie kennt.

title: KI-Agent sendet an Ziel ausserhalb der Erlaubnisliste nach externem Dokument
id: 1eb408b5-6394-44f9-ad65-cbdeba55341c
status: experimental
description: Beispielregel nach MITRE DET0927 / AN2078. Werkzeugaufruf mit
  Sendefunktion an nicht erlaubtes Ziel, waehrend ein extern eingegangenes
  Dokument im Kontext stand (Hinweis auf T1698 -> T1700).
references:
  - https://attack.mitre.org/detectionstrategies/DET0927/
author: ki-spezial
date: 2026-10-22
tags:
  - attack.exfiltration
  - attack.t1700
  - attack.execution
  - attack.t1698
logsource:
  product: llm-gateway
  service: toolcalls
detection:
  sendewerkzeug:
    tool:
      - 'send_mail'
      - 'http_post'
      - 'upload'
      - 'git_push'
  extern_im_kontext:
    context_sources|contains:
      - 'mail-eingang'
      - 'web'
      - 'ticket-extern'
  erlaubt:
    target_domain|endswith:
      - '.firma.de'
      - 'partner-portal.example'
  condition: sendewerkzeug and extern_im_kontext and not erlaubt
falsepositives:
  - Freigegebene Antworten an neue Kunden (Erlaubnisliste pflegen)
level: high

Die gleiche Logik als Wazuh-Regel, ergänzt um eine Häufungsregel: Ein einzelner abgewiesener Sendeversuch ist ein Hinweis, fünf in zehn Minuten aus derselben Sitzung sind ein Vorfall. Wazuh dekodiert JSON-Zeilen mit dem eingebauten JSON-Decoder; eigene Regel-IDs liegen im Bereich ab 100000.

<!-- /var/ossec/etc/rules/local_rules.xml  (Beispiel) -->
<group name="ki_agent,attack,">

  <rule id="100700" level="3">
    <decoded_as>json</decoded_as>
    <field name="log_type">^toolcall$</field>
    <description>KI-Agent: Werkzeugaufruf protokolliert</description>
  </rule>

  <rule id="100701" level="10">
    <if_sid>100700</if_sid>
    <field name="tool">^send_mail$|^http_post$|^upload$|^git_push$</field>
    <field name="target_allowed">^false$</field>
    <description>KI-Agent sendet an nicht erlaubtes Ziel: $(target_domain)</description>
    <group>attack_t1700,</group>
  </rule>

  <rule id="100702" level="12">
    <if_sid>100701</if_sid>
    <field name="context_sources">mail-eingang|web|ticket-extern</field>
    <description>KI-Agent: Sendeversuch nach externem Dokument im Kontext</description>
    <group>attack_t1698,attack_t1700,</group>
  </rule>

  <rule id="100703" level="14" frequency="5" timeframe="600">
    <if_matched_sid>100701</if_matched_sid>
    <same_field>session_id</same_field>
    <description>KI-Agent: Häufung von Sendeversuchen an fremde Ziele (10 Minuten)</description>
    <group>attack_t1700,</group>
  </rule>
</group>

Beide Regeln sind getestet mit sigma-cli 3.1.0 (pySigma 1.5.1, sigma check ohne Befund, Umwandlung nach Splunk und Lucene) und Wazuh 4.14.9 am 22.10.2026, mit vier JSON-Testzeilen über wazuh-logtest und eine überwachte Logdatei. Drei Befunde aus dem Test: Erstens kennt die mitgelieferte MITRE-Datenbank von Wazuh 4.14.9 (Stand Mai 2023) T1698 und T1700 nicht; <mitre> erzeugt nur eine Warnung und ein leeres MITRE-Feld im Alarm, deshalb tragen die Regeln die IDs als Gruppe. Zweitens löste 100703 je nach Lauf beim fünften oder sechsten Versuch derselben Sitzung aus – für einen Häufungsalarm genügt das. Drittens: Sigma verlangt eine echte UUID als id, sonst bricht sigma check ab. Prüfen lässt sich die Regel ohne echten Angriff: eine JSON-Zeile in /var/ossec/bin/wazuh-logtest einfügen und nachsehen, ob Regel 100702 auslöst. Das gehört in denselben Testlauf wie das Red-Teaming des Agenten. Eine Erkennungsregel, die nie gegen eine echte Injektion aus dem Testset gelaufen ist, ist eine Vermutung.

Für T1699 lohnt sich zusätzlich eine einfache Häufungsregel am Gateway: viele Ablehnungen durch die Guardrails aus demselben Konto in kurzer Zeit. Einzelne Ablehnungen sind Alltag; eine Serie ist jemand, der probiert. Mustererkennung auf Wörter wie „ignore previous instructions“ dagegen erzeugt viel Lärm und wird mit der ersten Umformulierung wirkungslos.

Ob die Regeln auslösen, zeigt erst ein Angriff mit Ihren Dokumenten, Ihren Werkzeugen und Ihrem Gateway. KI-Pentest — gezielte Prompt-Injection- und Exfiltrationstests gegen Ihren Agenten-Stack, mit Abgleich, welche Erkennung angeschlagen hat und welche nicht.

/07Grenzen: was sich nicht erkennen lässt

Die ehrliche Bilanz zuerst: MITRE selbst listet für T1698 und T1699 keine Erkennungsstrategie. Das ist kein Versehen. Eine Injektion ist Text unter Text; ob „Bitte fassen Sie zusammen und senden Sie das Ergebnis an …“ eine legitime Anweisung im Dokument oder ein Angriff ist, entscheidet der Kontext, nicht das Muster. Inhaltsfilter und Klassifikatoren helfen, aber sie sind Abwehr mit Fehlerquote, keine verlässliche Erkennung.

Zweitens: Exfiltration ohne Werkzeug. Wenn die Antwort des Modells selbst die Daten enthält und ein Mensch sie weiterleitet, sieht kein Tool-Call-Protokoll etwas. Ebenso, wenn ein Chat-Client Markdown-Bilder mit externen URLs automatisch lädt – dann ist die Übertragung ein Bildabruf im Browser des Nutzers, nicht im Log des Agenten. Abhilfe ist hier Abwehr (externe Bilder nicht rendern), nicht Erkennung.

Drittens: erlaubte Ziele. DET0927 sucht Übertragungen außerhalb der erlaubten Flüsse. Ein Agent, der Daten per Injektion in ein freigegebenes Ticketsystem schreibt, das ein externer Kunde lesen kann, bleibt innerhalb der Liste. Je breiter die Erlaubnis, desto blinder die Regel.

Viertens: Aufwand gegen Nutzen. Ein Haus, dessen Sprachmodell nur Fragen zu internen Handbüchern beantwortet, ohne Werkzeuge, ohne Mailzugriff und ohne Internet, hat für T1700 schlicht keine Angriffsfläche. Dort ist eine Erkennungsstrategie für KI-Exfiltration Aufwand ohne Gegenwert. Die Techniken werden erst relevant, wenn Agenten handeln dürfen – also mit Function Calling und echten Werkzeugen.

Merksatz: Erkennung ersetzt keine Rechtebegrenzung. Sie zeigt Ihnen, dass die Begrenzung zu weit war – im besten Fall, bevor der Schaden groß ist.

/08Entscheidung: wer welche Erkennungsstufe braucht

Die Frage ist nicht, ob Sie ATT&CK v20 „umsetzen“, sondern welche Stufe zu Ihrem Agenten passt. Wir unterscheiden drei.

Stufe 0 – Chat ohne Werkzeuge. Ein lokales Modell beantwortet Fragen aus einer Wissensbasis, kann aber nichts senden, schreiben oder abrufen. Hier genügen die üblichen Gateway-Logs mit Benutzerbezug und eine Häufungsregel für T1699. DET0927 brauchen Sie nicht. Die meisten Mittelständler, die gerade mit einem internen Assistenten anfangen, stehen hier.

Stufe 1 – Agent mit lesenden und wenigen schreibenden Werkzeugen. RAG über Laufwerke, dazu ein bis drei Werkzeuge mit Außenwirkung (Ticket anlegen, Mail-Entwurf, Kalender). Hier brauchen Sie ein eigenes Dienstkonto je Agent, ein Tool-Call-Protokoll mit Kontextquellen, die auditd-Regeln aus Abschnitt /05 und mindestens die Regel 100702. Aufwand in der Praxis: wenige Tage für das Protokoll, ein bis zwei Tage für die Regeln, danach eine Woche Beobachtung, um die Erlaubnislisten zu füllen.

Stufe 2 – Agenten mit Sendefunktion oder Zugriff auf Code und Kundendaten. Mailversand, Git-Push, Freigaben in Kundenportale, Zugriff auf Personal- oder Finanzdaten. Hier ist DET0927 vollständig umzusetzen: alle Mutable Elements dokumentiert, Erkennung auf Host, Gateway und Zielsystem, ein SOC oder ein benannter Verantwortlicher, der Meldungen innerhalb von Stunden bewertet, und ein Human-in-the-Loop für Sendevorgänge an neue Ziele. Für diese Stufe ist die Erkennung keine Kür; ohne sie merken Sie eine erfolgreiche Exfiltration erst durch den Empfänger.

Unabhängig von der Stufe: Die Einstufung ist eine Entscheidung der Geschäftsleitung mit IT und Datenschutz, nicht des Administrators allein. Sie hängt an der Frage, welche Werkzeuge der Agent bekommt – und die stellt sich bei jeder Erweiterung neu.

Welche Stufe ein Agent hat, ergibt sich aus seinen Werkzeugen und Rechten – und die sollten vor dem Einsatz feststehen, nicht nach dem ersten Vorfall. Agent Governance — Einstufung je Agent, Freigaberegeln für neue Werkzeuge und ein Protokollierungskonzept, das die Erkennung nach ATT&CK v20 trägt.

/09Technik-IDs im Betrieb verankern

Der praktische Nutzen von v20 liegt weniger in einzelnen Regeln als darin, dass KI-Vorfälle jetzt eine Kennung haben. Drei Stellen, an denen sich das sofort auszahlt.

  1. Abdeckungsliste. Tragen Sie T1698, T1699 und T1700 in die Liste ein, die Ihr SOC oder SIEM-Dienstleister pflegt, mit der Spalte „Log-Quelle vorhanden: ja/nein“ aus der Tabelle in Abschnitt /04. Eine leere Zeile ist eine ehrliche Aussage; eine fehlende Zeile ist ein blinder Fleck.
  2. Regel-Tags. Jede Regel, die Agentenverhalten betrifft, bekommt die Technik-ID als Tag. Dann zeigt das SIEM bei einer Meldung sofort, dass es um KI-Exfiltration geht und nicht um einen gewöhnlichen Upload.
  3. Testfälle. Das Testset für Red-Teaming wird nach denselben IDs sortiert. Jeder Testfall für T1698 hat eine erwartete Erkennung – oder den dokumentierten Vermerk, dass es keine gibt.

Für den Betrieb der Modelle selbst, also Inferenz, Updates und Kapazität, ändert v20 nichts. Es ändert die Fragen, die ein Prüfer, ein Versicherer oder ein Kunde in Zukunft stellen wird: „Wie erkennen Sie T1700?“ ist eine Frage, die man mit einer Tabelle und zwei Regeln beantworten kann. Wer agentischer KI produktiv einsetzt, sollte diese Antwort vorbereitet haben, bevor sie verlangt wird – und sie in sein LLMOps-Handbuch schreiben, damit sie den nächsten Werkzeugwechsel übersteht.

Zum Weiterlesen im Bestand: Warum sich Prompt Injection grundsätzlich nicht wegfiltern lässt und die Daten-Ebene die eigentliche Grenze ist, steht im Grundlagenartikel zu Prompt Injection und Data-Layer-Governance. Wie ein MCP-Gateway ausgehende Verbindungen der KI-Agenten einfängt und damit die Log-Quelle „Egress“ überhaupt erst sauber macht, beschreibt der Artikel zu Egress-Kontrolle und Credential-Injection.

/10Quellen & Primärbelege

Alle Zahlen, Einordnungen und Quellenangaben in diesem Beitrag wurden vor der Veröffentlichung gegen die folgenden Primärquellen geprüft.

  1. MITRE ATT&CK: Updates (Release v20) Veröffentlichung von ATT&CK v20 am 13.10.2026; neue Techniken T1698, T1699, T1700, T1608.007, T1685.007; neue Erkennungsstrategien DET0927 und DET0922; Kampagne C0064; Enterprise-Zahlen 15 Taktiken, 227 Techniken, 479 Untertechniken, 703 Erkennungsstrategien, 1.770 Analytics; abgerufen am 22.10.2026.
  2. MITRE ATT&CK: T1698 Indirect Prompt Injection Taktik Execution, Plattformen SaaS und Windows, erstellt 18.09.2026, keine Erkennungsstrategie, Mitigations M1038, M1030, M1026, M1022, M1018, M1017; abgerufen am 22.10.2026.
  3. MITRE ATT&CK: T1699 Direct Prompt Injection Taktik Execution, erstellt 18.09.2026, Prozedurbeispiele C0064 und C0062, keine Erkennungsstrategie, Mitigations M1038, M1026, M1018, M1017; abgerufen am 22.10.2026.
  4. MITRE ATT&CK: T1700 AI-Enabled Exfiltration Taktik Exfiltration, erstellt 22.09.2026, Verweis auf T1567 und T1567.001, Erkennungsstrategie DET0927, Mitigations M1048, M1022, M1017; abgerufen am 22.10.2026.
  5. MITRE ATT&CK: DET0927 Detect AI-Enabled Exfiltration Erstellt 24.09.2026; Analytics AN2079 (Windows), AN2078 (SaaS, AWS Bedrock AgentTrace), AN2080 (Linux, auditd open/read, EXECVE, connect); Mutable Elements wie AuthorizedAIDataScope, ExpectedAIProcessTree, AuthorizedAIEndpoints; abgerufen am 22.10.2026.
  6. SigmaHQ: sigma-cli Kommandozeilenwerkzeug für sigma check und sigma convert; Version 3.1.0 mit pySigma 1.5.1 für den Regeltest verwendet; abgerufen am 22.10.2026.
  7. Wazuh: Release v4.14.9 Aktuelle stabile Version vom 15.10.2026, als Docker-Image wazuh/wazuh-manager:4.14.9 für den Test mit wazuh-logtest verwendet; abgerufen am 22.10.2026.

/11Häufige Fragen

Was ist neu an MITRE ATT&CK v20 für KI-Systeme?

Version 20 vom 13. Oktober 2026 enthält erstmals eigene Techniken für Prompt Injection (T1698 indirekt, T1699 direkt) und für Datenabfluss über KI-Agenten (T1700). Dazu kommen unter anderem AI Result Poisoning (T1608.007) und die Erkennungsstrategie DET0927 für KI-Exfiltration. Damit lassen sich KI-Vorfälle erstmals mit Standardkennungen im SIEM und in Abdeckungslisten führen.

Kann man Prompt Injection zuverlässig erkennen?

Die Injektion selbst nicht zuverlässig, und MITRE listet für T1698 und T1699 auch keine Erkennungsstrategie. Erkennbar ist die Folge: ein Agent, der Daten außerhalb seines Auftrags liest und an ein nicht erlaubtes Ziel sendet. Darauf zielt DET0927. Mustersuche nach typischen Angriffsphrasen erzeugt vor allem Fehlalarme.

Welche Logs brauchen wir mindestens?

Ein Tool-Call-Protokoll mit Agent-Identität, Werkzeug, Ziel und den Dokumenten im Kontext, dazu Prozess-, Datei- und Netzereignisse des Agenten-Hosts über auditd und die Logs der Egress-Firewall. Die Logs des Inferenzservers helfen für die Erkennung kaum. Inhalte von Prompts und Antworten gehören in ein getrenntes Log mit kürzerer Aufbewahrung.

Brauchen wir das, wenn unser KI-Assistent nur intern Fragen beantwortet?

Für Exfiltration über Werkzeuge nein, denn ohne Werkzeuge mit Außenwirkung gibt es diesen Weg nicht. Sinnvoll bleiben Gateway-Logs mit Benutzerbezug und eine Häufungsregel für wiederholte Ablehnungen, um direkte Manipulationsversuche zu sehen. Mit dem ersten Werkzeug, das senden oder schreiben kann, ändert sich die Einstufung.

Funktionieren die Beispielregeln direkt in Wazuh oder mit Sigma?

Syntaktisch ja: Beide sind mit sigma-cli 3.1.0 und Wazuh 4.14.9 am 22.10.2026 gegen Testzeilen geprüft. Produktiv nur nach Anpassung. Die Regeln setzen ein Tool-Call-Protokoll im JSON-Format mit bestimmten Feldnamen voraus, das Sie erst schaffen müssen, und die Erlaubnislisten stammen aus Ihrem Betrieb. Testen Sie jede Regel mit wazuh-logtest oder einem Sigma-Konverter gegen echte Testfälle aus einem Prompt-Injection-Test, bevor sie produktiv geht.

Warum stehen bei den neuen Techniken nur Windows und SaaS als Plattform?

So sind die Techniken in v20 angelegt. Die Erkennungsstrategie DET0927 enthält trotzdem eine Linux-Variante auf Basis von auditd. Wer im ATT&CK Navigator nach Plattform Linux filtert, sieht die Techniken deshalb womöglich nicht, obwohl sie für einen eigenen Inferenzserver auf Linux gelten.

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ki·spezial-Redaktion — ki·spezial ist die On-Premise-KI-Marke der HostSpezial GmbH, Lichtenfels, zertifiziert nach ISO/IEC 27001:2024. Fachliche Prüfung und Freigabe dieses Beitrags liegen bei der Redaktion. Impressum · Kontakt

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