- Recursive Flint ist ein Mixture-of-Experts-Modell für Coding-Agenten mit 39,8 Milliarden Parametern, von denen rund 2,5 Milliarden je Token aktiv sind, veröffentlicht am 21. Oktober 2026 unter Apache 2.0.
- Die 4-Bit-Fassungen von Flint sind 22,6 GB (MLX), 22,9 GB (NVFP4-GGUF) und 26,0 GB (Q4_1-GGUF) groß; der Hersteller empfiehlt für NVIDIA mindestens 48 GB GPU-Speicher und für den Mac mindestens 48 GB Unified Memory.
- Der KV-Cache von Flint wächst nur in 14 der 49 Schichten mit dem Kontext und belegt nach Rechnung aus der Modellkarte rund 7,5 GB in BF16 beim vollen Fenster von 262.144 Token.
- Die Benchmarkwerte von Flint — 54,9 Prozent auf Terminal-Bench 2.1 und 74,2 Prozent auf SWE-bench Verified — sind Herstellerangaben und ersetzen keinen Test mit dem eigenen Repository.
/01Was Recursive am 21. Oktober veröffentlicht hat
Recursive Flint ist ein offen lizenziertes Sprachmodell, das ausschließlich für die Arbeit von Coding-Agenten gebaut wurde: Code durchsuchen, Fehler finden, Funktionen umsetzen, Tests schreiben. Wer einen Coding-Assistenten im eigenen Netz betreiben will, ohne Quelltext an eine Cloud-API zu schicken, bekommt damit seit dem 21. Oktober 2026 einen neuen Kandidaten mit Apache-2.0-Lizenz und einer Rechenlast, die eher an ein 3B-Modell erinnert als an ein 40B-Modell.
Belegt ist die Veröffentlichung an drei Stellen, alle vom 21. Oktober:
- Hugging Face: Das Repository
RecursiveSI/flintenthält den BF16-Checkpoint (79,59 GB), Konfiguration, Tokenizer, Chat-Template und ein Serving-Kit für SGLang. Drei Schwester-Repositories liefern die quantisierten Fassungen für Apple Silicon und NVIDIA. - Hersteller-Blog: Recursive Superintelligence beschreibt Flint als Modell, das von einem kleinen Team und einem automatisierten Forschungssystem des Hauses („Eureka Machine") entwickelt wurde, und nennt die Laufzeitumgebungen llama.cpp, Ollama, LM Studio, vLLM und SGLang sowie eine eigene schlanke Engine namens
recfür Apple Silicon. - Ollama 0.40.8: Die Release-Notes führen Flint mit
ollama run flintals 40B-MoE mit rund 2,5B aktiven Parametern und 262K Kontext — mit dem Zusatz, dass Flint vorerst nur unter macOS unterstützt wird und andere GPUs in einer späteren Version folgen.
Für ein Haus mit eigener Entwicklungsabteilung ist das die eigentliche Nachricht: Ein Coding-Modell mit Herstellerwerten in der Klasse deutlich größerer Modelle, das auf einem Entwickler-Mac mit 48 GB läuft und dessen Lizenz keine Nutzungsschwellen kennt. Was das für einen Server im Rack heißt, ist eine andere Frage — und die beantwortet die Modellkarte nur teilweise.
/02Architektur: warum 2,5 Milliarden aktive Parameter reichen sollen
Flint ist ein Mixture-of-Experts-Transformer mit 49 Schichten: zwei dichte Schichten, danach 47 MoE-Schichten mit je 256 Experten, von denen sechs je Token ausgewählt werden, plus ein immer aktiver geteilter Experte. Von den 39,8 Milliarden Parametern rechnen je Token rund 2,5 Milliarden — einschließlich des Ausgabekopfs; der aktive Modellkörper allein sind nach Karte rund 2,2 Milliarden.
Für den Betrieb wichtiger ist die Attention-Struktur. 35 der 49 Schichten arbeiten mit einem gleitenden Fenster von 513 Token (das aktuelle Token plus 512 vorangehende), nur 14 Schichten sehen den vollen Kontext. Dazu kommen 32 Query-Köpfe, aber nur 4 Key/Value-Köpfe mit je 128 Dimensionen. Beides zusammen hält den KV-Cache klein, und genau das macht ein Modell mit 262.144 Token dokumentiertem Kontextfenster auf moderater Hardware erst denkbar. Ein Coding-Agent liest ganze Dateibäume, Testausgaben und Diffs in den Prompt; ein Modell, dessen Cache mit jedem Token in allen Schichten wächst, stößt dabei früher an die Speichergrenze als an die Rechengrenze.
Zwei Angaben passen nicht zusammen, und das sollte man wissen, bevor man plant. Die Modellkarte nennt 262.144 Token als dokumentierte Kontextkonfiguration, einschließlich Prompt und Ausgabe. Der Hersteller-Blog spricht von einem Fenster „bis 512k", mit 256k als Empfehlung für die besten Ergebnisse. Für die Planung gilt die Karte: Alle Startbefehle des Herstellers setzen 262.144 Token, und die Karte ergänzt selbst, dass die Kontextlänge eine Kapazitätsgrenze ist, keine Zusage gleichbleibender Qualität über alle Längen.
Der Wissensstand des Modells endet laut Karte im Juni 2026. Ein- und Ausgabe sind reiner Text — Screenshots einer Oberfläche oder ein Foto vom Whiteboard verarbeitet Flint nicht. Die Karte nennt keine unterstützten natürlichen Sprachen; ob Flint deutsche Ticketbeschreibungen so gut versteht wie englische, ist nicht belegt und gehört in den eigenen Test.
/03Speicherrechnung: Gewichte und KV-Cache bis 262k Kontext
Die Gewichte sind der einfache Teil: Sie stehen als Dateigröße im Repository. Der Cache ist der Teil, den keine Karte in Gigabyte nennt. Aus den Architekturangaben lässt er sich aber ausrechnen — das ist unsere Rechnung, keine Herstellerangabe:
# KV-Cache je Token, nur Full-Attention-Schichten, BF16/F16 (2 Byte)
14 Schichten × 4 KV-Köpfe × 128 Dim × 2 (K und V) × 2 Byte = 28.672 Byte/Token
# Gleitendes Fenster, fest je Sequenz (35 Schichten × 513 Token)
35 × 513 × (4 × 128 × 2 × 2 Byte) = 36.771.840 Byte ≈ 37 MB
# Kontext KV (Full-Attention) + Fenster
# 8.192 Tok ≈ 0,23 GB + 0,04 GB
# 32.768 Tok ≈ 0,94 GB + 0,04 GB
# 131.072 Tok ≈ 3,76 GB + 0,04 GB
# 262.144 Tok ≈ 7,52 GB + 0,04 GB
Die F16-Annahme ist keine Wahl von uns: Die Startbefehle des Herstellers für llama.cpp setzen den Cache ausdrücklich auf -ctk f16 -ctv f16. Legt man die Gewichte daneben, ergibt sich die Tabelle, die über die Hardware entscheidet.
| Fassung | Format / Ziel | Gewichte | mit 32k Kontext | mit 262k Kontext | Herstellervorgabe |
|---|---|---|---|---|---|
| flint-int4 | MLX, Apple Silicon | 22,6 GB | ≈ 23,6 GB | ≈ 30,2 GB | über rec auf M4 Pro / M5 Pro/Max |
| flint-nvfp4-gguf | NVFP4, llama.cpp mit CUDA | 22,9 GB | ≈ 23,9 GB | ≈ 30,5 GB | mindestens 48 GB GPU-Speicher |
| flint-int4-gguf | Q4_1, llama.cpp mit Metal | 26,0 GB | ≈ 27,0 GB | ≈ 33,6 GB | Mac mit mindestens 48 GB Unified Memory |
| flint (BF16) | SGLang-Kit 0.5.16 | 79,6 GB | ≈ 80,6 GB | ≈ 87,2 GB | eine GPU mit mindestens 141 GB je Replica |
Die Tabelle erklärt die Herstellerempfehlung. Eine 24-GB-Karte stellt im Betrieb rund 23 GB bereit; die NVFP4-Datei allein belegt 22,9 GB. Selbst bei 8.192 Token Kontext bleibt kein Platz für den Laufzeitpuffer, den llama.cpp für Zwischenergebnisse anlegt. Die 48 GB, die Recursive nennt, sind deshalb keine Vorsicht, sondern das, was ein voller 262k-Kontext mit Puffer tatsächlich braucht. Wer die Methode an anderen Modellen nachrechnen will, findet sie in KV-Cache verstehen.
Merksatz: Eine Datei mit 22,9 GB ist kein Modell für 24 GB. Bei Flint fehlen auf der 24-GB-Karte schon bei kurzem Kontext die letzten ein bis zwei Gigabyte, und der Hersteller empfiehlt das Doppelte.
Die gute Nachricht steckt in der zweiten Spalte: Weil der Cache nur in 14 Schichten wächst, kostet jede weitere Sitzung mit 32k Kontext unter einem Gigabyte. Auf einer 96-GB-Karte bleiben neben den NVFP4-Gewichten rund 70 GB, rechnerisch genug für viele parallele Entwicklersitzungen. Ob die Karte die Rechenlast dieser Sitzungen trägt, sagt die Rechnung nicht — das ist eine Durchsatz-Frage, und die beantwortet nur eine Messung.
/04Startbefehle: llama.cpp, SGLang und Ollama
Recursive liefert für jede Fassung einen fertigen Startbefehl. Die beiden für NVIDIA-Hardware stehen hier wörtlich aus den Repositories; nur die Kommentare sind von uns:
# 1) NVFP4-GGUF mit llama.cpp (CUDA-Build mit Flint-Unterstützung)
# getestet laut Karte: B300, RTX PRO 6000 Blackwell, RTX Spark, DGX Spark
hf download RecursiveSI/flint-nvfp4-gguf flint-nvfp4.gguf pi-models.json opencode.json \
--local-dir flint-nvfp4-gguf
llama-server -m flint-nvfp4-gguf/flint-nvfp4.gguf \
--alias flint -ngl all -c 262144 -np 1 \
-fa on -ctk f16 -ctv f16 --jinja \
--temp 1 --top-p 0.95 --top-k 20 --min-p 0 \
--host 127.0.0.1 --port 8080
# 2) BF16 mit dem SGLang-Kit (SGLang 0.5.16), eine GPU mit >= 141 GB
hf download RecursiveSI/flint --local-dir flint && cd flint # rund 80 GB
docker build -t flint-sglang sglang
docker run -d --name flint --gpus '"device=0"' --ipc=host -p 127.0.0.1:30000:30000 \
-v "$PWD:/model" -e MODEL=/model flint-sglang bash /model/sglang/serve_b300.sh
# auf H200: serve_h200.sh
# 3) Ollama 0.40.8 — vorerst nur macOS
ollama run flint
Fünf Hinweise aus den Karten, die man vor dem ersten Start kennen sollte:
- Fenster-Cache nicht vergrößern. Die Karte bittet ausdrücklich,
--swa-fullnicht zu setzen. Ohne den Schalter hält llama.cpp für die 35 Fensterschichten nur 513 Token vor; mit ihm würde der Cache in allen Schichten wachsen und die Rechnung aus /03 nicht mehr gelten. - Client und Server gleich einstellen. Die mitgelieferten Konfigurationen für die Agent-Werkzeuge pi und OpenCode rechnen mit 262.144 Token Kontext und einem Ausgabebudget von 65.536 Token. Wer
-csenkt, muss den Wert im Client mitziehen, sonst schickt der Agent Prompts, die der Server ablehnt. - Ausgabebudget großzügig setzen. Flint denkt bei schweren Aufgaben lange nach. Die Karte empfiehlt für harte Probleme mindestens 32.768 Token Ausgabe einschließlich Reasoning und verlangt, das zurückgegebene
reasoning_contentim Verlauf zu behalten. - 80-GB-Karten fallen beim BF16-Weg heraus. Das SGLang-Kit schreibt wörtlich, dass GPUs mit 80 GB nicht unterstützt werden, und verlangt einen Treiber ab Version 580 (CUDA 13). Validiert sind B300 und H200; B200 und GB200/GB300 nutzen dieselben Schalter, sind aber noch nicht validiert. Der erste Start dauert auf einer B300 laut Kit rund vier Minuten.
- Transformers-Code fehlt noch. Die Karte sagt, dass der Modellcode für Transformers noch nicht enthalten ist. Der Blog nennt vLLM als unterstützte Laufzeit; einen vLLM-Befehl liefert Recursive bislang nicht. Wer vLLM im Haus standardisiert hat, wartet auf eine Release-Note mit Flint-Eintrag.
Die NVFP4-Fassung ist für Blackwell gebaut; auf älteren Karten wie einer Ada- oder Ampere-Generation ist sie weder getestet noch dokumentiert. Für den Mac gibt es zwei Wege: Ollama mit einer Zeile oder llama.cpp mit Metal und der Q4_1-Datei, die auf Rechnern ab 48 GB Unified Memory laufen soll. Recursive nennt für ein M4-Pro-MacBook-Pro mehr als 125 Token je Sekunde und für ein RTX Spark mit 64 GB mehr als 150 — Herstellerangaben bei kurzem Kontext, deren Messbasis der Blog nicht eindeutig beschreibt.
Ein Coding-Modell auf dem Entwickler-Mac ist ein Werkzeug; ein Coding-Agent für ein ganzes Team ist ein Projekt mit Repository-Anbindung, Rechten und Review-Prozess. Vibe Coding Beratung — KI-gestützte Entwicklung mit festem Umfang je Abschnitt, vom Werkzeugaufbau bis zur Prüfroutine.
/05Benchmarks: was 74,2 Prozent auf SWE-bench Verified sagen
Recursive nennt in der Modellkarte drei Benchmark-Werte: 54,9 Prozent auf Terminal-Bench 2.1, 74,2 Prozent auf SWE-bench Verified und 89,7 Prozent auf SWE-bench Pro v2. Alle drei sind Herstellerangaben aus den eigenen Release-Evaluationen. Der Messaufbau ist ungewöhnlich offen beschrieben: Temperatur 1,0, Top-p 0,95, Top-k 20; Terminal-Bench mit dem Harness Terminus 2, SWE-bench mit mini-swe-agent; gemittelt wird pass@1 über mindestens fünf Versuche. Recursive wertet außerdem Terminal-Bench-Lösungen, die über eine Websuche gefunden wurden, als Fehlschlag — und weist selbst darauf hin, dass andere Hersteller diese Korrektur nicht unbedingt anwenden.
Zur Einordnung zwei Werte aus anderen Modellkarten derselben Wochen, ebenfalls Herstellerangaben auf Terminal-Bench 2.1: NVIDIA gibt für Nemotron 3.5 Bolt, ein 74B-Modell mit 2-Bit-Quantisierung für 24 GB, 50,98 an; Meta für Muse Spark Open mit 816 Milliarden Parametern in der höchsten Reasoning-Stufe 76,4. Flint liegt dazwischen — mit einem Bruchteil der Rechenlast des einen und des Speichers des anderen. Das ist die eigentliche Aussage dieser Zahlen: nicht, welches Modell gewinnt, sondern dass die Leistungsklasse, für die vor einem Jahr ein Rack nötig war, auf einen Arbeitsplatzrechner rückt.
Was die Zahlen nicht sagen, ist mindestens so wichtig. Erstens gelten sie für den BF16-Checkpoint; für NVFP4 nennt der Blog einen Abstand von höchstens 0,7 Punkten zum 16-Bit-Modell über die eigenen Benchmarks, für die MLX- und Q4_1-Fassungen gibt es keine Zahl. Zweitens messen SWE-bench und Terminal-Bench öffentliche Python- und Shell-Aufgaben, nicht Ihr ERP-Customizing, Ihre ABAP-Reports oder Ihre zwanzig Jahre alte Delphi-Anwendung. Drittens schreibt Recursive selbst, dass Flint mehr Führung braucht als große geschlossene Coding-Modelle und komplexe Aufgaben in kleinere Teilaufgaben mit ausdrücklichen Anweisungen zerlegt werden sollten. Ehrlich: Das ist eine nützliche Einschränkung, weil sie sagt, wie man das Modell einsetzt — als Agent mit engem Auftrag, nicht als Architekt.
Den Unterschied zum Qwen3.8-27B, das wir im August auf einer 24-GB-Karte gemessen haben, entscheiden diese Zahlen nicht: Qwen veröffentlicht Werte auf anderen Benchmark-Versionen, und Prozentpunkte aus verschiedenen Harnesses lassen sich nicht subtrahieren. Unsere Messung steht in Qwen3.8-27B auf 24 GB; ein Vergleich der beiden auf demselben Repository ist der Test, den wir jedem Haus vor einer Entscheidung empfehlen.
/06Einen lokalen Coding-Agenten absichern
Ein Coding-Agent unterscheidet sich von einem Chat-Assistenten durch eine Eigenschaft: Er führt aus. Er liest Dateien, schreibt Patches, startet Tests und Shell-Befehle — über Werkzeugaufrufe, die Flint im OpenAI-kompatiblen Format beherrscht. Die Modellkarte sagt dazu einen Satz, der in jedes Betriebskonzept gehört: Die strukturierte Grammatik der Werkzeugaufrufe verhindert nicht, dass das Modell eine unsichere oder falsche Aktion wählt; Anwendungen mit Werkzeugen müssen eigene Rechte und Ausführungsgrenzen durchsetzen.
In der Praxis heißt das fünf Maßnahmen, bevor Flint an ein echtes Repository darf:
- Endpunkt nicht ins Netz. Das SGLang-Kit warnt selbst: Die Server lauschen auf 0.0.0.0 ohne Authentifizierung. Ports nur auf
127.0.0.1oder ein privates Netz veröffentlichen, oder--api-keysetzen und den Schlüssel an die Clients verteilen. Der llama.cpp-Befehl des Herstellers bindet bereits an127.0.0.1. Warum ein offener Inferenz-Port kein Kavaliersdelikt ist, steht in LLMjacking stoppen. - Agent in eine Sandbox. Der Agent arbeitet in einem Container oder einer MicroVM mit einer Arbeitskopie des Repositories — nicht auf dem Entwicklerrechner mit Zugriff auf SSH-Schlüssel und Cloud-Zugangsdaten. Welche Isolation für welchen Fall reicht, vergleicht Agenten-Sandboxing 2026.
- Ausgehenden Verkehr sperren. Erlaubt sind der Paketspiegel und das interne Git, sonst nichts. Ein Agent, der Abhängigkeiten aus dem offenen Internet nachlädt, ist ein Einfallstor für Prompt Injection über präparierte README-Dateien und Paketbeschreibungen.
- Keine Produktionsgeheimnisse im Arbeitsverzeichnis.
.env-Dateien, Deploy-Schlüssel und Datenbankzugänge gehören nicht in den Kontext eines Modells, das sie in einem Testlauf ausgeben könnte. - Jeder Patch geht durch ein Review. Der Agent schreibt in einen Branch, ein Mensch merged. Die Karte empfiehlt ausdrücklich, generierten Code zu testen und folgenreiche Änderungen vor dem Übernehmen zu prüfen. Das ist Human-in-the-Loop als Arbeitsablauf, nicht als Formsache.
Diese Liste gilt für jedes lokale Coding-Modell, nicht nur für Flint. Bei Flint kommt hinzu, dass das Modell einen Tag alt war, als wir diesen Artikel geschrieben haben: Es gibt noch keine Erfahrung darüber, wie es sich in langen Agentensitzungen gegen manipulierte Eingaben verhält.
/07Wann Flint die falsche Wahl ist
Flint ist ein gutes Angebot für einen eng umrissenen Zweck. Falsch ist es in sechs Fällen:
- Sie haben nur eine 24-GB-Karte. Die Rechnung aus /03 lässt keinen Spielraum, der Hersteller empfiehlt 48 GB, und unter Linux unterstützt Ollama das Modell noch nicht. Auf 24 GB bleibt ein dichtes 27B- bis 31B-Modell in 4-Bit die belegte Wahl.
- Sie brauchen Bilder. Flint ist reines Textmodell. Wer dem Agenten Screenshots einer Fehlermeldung oder einer Oberfläche zeigen will, braucht ein Vision-Language-Modell.
- Die Aufgaben sind groß und vage. „Bau uns das Kundenportal neu" ist kein Auftrag für ein Modell, das laut Hersteller mehr Führung braucht als große geschlossene Modelle. Flint passt zu „Behebe den fehlschlagenden Test in diesem Modul".
- Sie standardisieren auf vLLM oder Transformers. Der dokumentierte Serverweg ist SGLang bzw. llama.cpp; Transformers-Code fehlt laut Karte noch. Wer heute einführt, betreibt eine zweite Inferenz-Engine neben der bestehenden.
- Niemand prüft den Code. Ein Coding-Agent ohne Review-Pflicht beschleunigt nicht die Entwicklung, sondern die Fehlerproduktion. Ohne einen Menschen, der Diffs liest, ist die Investition in Hardware verschenkt.
- Sie brauchen Nachweise über Herkunft und Trainingsdaten. Die Karte beschreibt die Trainingsdaten nur allgemein (öffentliche und gecrawlte Webdokumente, lizenzierte und synthetische Daten). Für eine Anwendung mit Audit-Anforderung an die Datenherkunft reicht das nicht.
Die meisten Mittelständler mit eigener Entwicklung fallen in keinen dieser Fälle vollständig. Dann ist Flint ein Kandidat für einen zweiwöchigen Test — nicht für eine Beschaffungsentscheidung am Erscheinungstag.
/08Entscheidung: welche Hardwareklasse für welchen Einsatz
Die Entscheidung hängt an zwei Fragen: Wie viele Entwickler arbeiten gleichzeitig mit dem Agenten, und welche Hardware steht schon da. Die Tabelle trennt, was der Hersteller belegt, von dem, was wir daraus ableiten.
| Hardwareklasse | Fassung | Belegt | Einschätzung |
|---|---|---|---|
| Eine 24-GB-Karte (Ada/Ampere) | — | Hersteller empfiehlt mindestens 48 GB; NVFP4 nur auf Blackwell getestet | nicht einplanen |
| Mac ab 48 GB Unified Memory | Q4_1-GGUF, MLX-INT4, Ollama | Mindestanforderung der Q4_1-Karte; Ollama 0.40.8 unter macOS | ein Entwickler, Erprobung |
| Blackwell-Karte mit 96 GB (RTX PRO 6000) | NVFP4-GGUF | vom Hersteller getestet | kleines Team, eine Instanz je Karte |
| 192-GB-System (ki·spezial Vollausbau) | NVFP4-GGUF je Blackwell-Karte | Gewichte und 262k-Cache passen mehrfach | Flint neben einem zweiten Modell betreiben |
| 4 × GPU mit je 141 GB (H200) oder B300 | BF16 mit SGLang-Kit | validiert: eine GPU je Replica | volle Präzision, vier Replicas für eine Entwicklungsabteilung |
| 2 × Mac Studio | — | kein Herstellerbeleg | für Flint überdimensioniert; ein Gerät reicht |
Daraus folgt eine einfache Reihenfolge. Erprobung: ein Entwickler-Mac ab 48 GB mit Ollama, zwei Wochen, ein echtes internes Repository, ein Vergleichsmodell daneben. Teambetrieb: eine Blackwell-Karte mit 96 GB oder ein 192-GB-System im Serverraum, Endpunkt nur intern erreichbar, Agent in der Sandbox. Volle Präzision lohnt erst, wenn die Erprobung zeigt, dass die Abweichung der quantisierten Fassung bei Ihren Aufgaben spürbar ist — für die NVFP4-Fassung nennt der Hersteller unter einem Punkt.
Zum Maßstab, was ein Mehrkartensystem leistet: Wir haben auf einem 192-GB-System mit Qwen3 27B 3.900 Token je Sekunde gemessen, summiert über viele parallele Anfragen. Für Flint mit einem Zehntel der aktiven Parameter ist eine eigene Messung nötig; dass die Rechenlast je Token geringer ist, lässt höhere Werte erwarten, belegt sie aber nicht.
Ob Flint neben einem bestehenden Modell auf derselben Hardware läuft oder ein eigenes System braucht, ist eine Rechnung aus Nutzerzahl, Kontextlänge und Modellmix. ki·spezial System — Managed KI-Server mit 2 bis 8 GPUs und bis zu 192 GB VRAM, Modelle wechselbar, Betrieb im Rechenzentrum in Coburg oder bei Ihnen.
Wer noch klären muss, ob ein Coding-Agent für die eigene Entwicklung überhaupt der richtige Hebel ist, findet die Grundlagen in Vibe Coding 2026. Dieser Artikel setzt eine Stufe später an: bei der Frage, mit welchem Modell und auf welcher Hardware. Die Inferenz ist dabei der kleinere Teil der Arbeit — Repository-Anbindung, Rechte und die Leitplanken des Agenten machen den größeren aus, und sie bleiben, wenn das Modell in sechs Monaten gewechselt wird.
/09Quellen & Primärbelege
Alle Zahlen, Einordnungen und Quellenangaben in diesem Beitrag wurden vor der Veröffentlichung gegen die folgenden Primärquellen geprüft.
- Modellkarte Recursive Flint 39,8 B gesamt, rund 2,5 B aktiv (Körper rund 2,2 B), 49 Schichten (2 dicht, 47 MoE), 35 Fenster- (513 Token) und 14 Full-Attention-Schichten, 32 Q-/4 KV-Köpfe, Kopfdimension 128, 256 Experten/6 aktiv plus Shared, 262.144 Token, Wissensstand Juni 2026, Apache 2.0; Benchmarks Terminal-Bench 2.1 54,9 %, SWE-bench Verified 74,2 %, SWE-bench Pro v2 89,7 % (Hersteller); BF16 79,59 GB; Hinweis zu Werkzeugaufrufen; abgerufen am 22.10.2026.
- Flint SGLang-Kit (README) SGLang 0.5.16, eine GPU mit mindestens 141 GB je Replica (B300/B200/H200), 80-GB-GPUs nicht unterstützt, Treiber ab 580, Server ohne Authentifizierung auf 0.0.0.0, validiert B300 und H200; abgerufen am 22.10.2026.
- Flint NVFP4 GGUF 22,9 GB, getestet auf B300, RTX PRO 6000 Blackwell, RTX Spark, DGX Spark, Empfehlung mindestens 48 GB GPU-Speicher, llama-server-Befehl mit 262.144 Token und F16-Cache, --swa-full nicht setzen; abgerufen am 22.10.2026.
- Flint INT4 GGUF (Q4_1) 26,0 GB, Apple Silicon mit mindestens 48 GB Unified Memory, llama.cpp mit Metal; abgerufen am 22.10.2026.
- Flint INT4 (MLX) Gruppe-64-INT4, rund 22,6 GB, Start über rec; abgerufen am 22.10.2026.
- Recursive: Introducing Recursive Flint Veröffentlichung 21.10.2026, Kontext bis 512k mit 256k empfohlen, NVFP4 innerhalb 0,7 Punkten zum 16-Bit-Modell, über 125 Token/s auf M4 Pro MacBook Pro und über 150 Token/s auf RTX Spark 64 GB (Hersteller), Hinweis auf mehr Führungsbedarf; abgerufen am 22.10.2026.
- Ollama Release-Notes v0.40.8 21.10.2026: Flint mit ollama run flint, vorerst nur macOS; abgerufen am 22.10.2026.
- Modellkarte NVIDIA Nemotron 3.5 Bolt 74B-A9B 24GB Terminal-Bench 2.1 50,98 (Herstellerangabe, IQ2); abgerufen am 22.10.2026.
- Modellkarte Meta Muse Spark Open 816B-A42B Terminal-Bench 2.1 76,4 in der Reasoning-Stufe xhigh (Herstellerangabe); abgerufen am 22.10.2026.
/10Häufige Fragen
Läuft Recursive Flint auf einer RTX 4090 mit 24 GB?
Belegt ist das nicht, und nach unserer Rechnung passt es nicht sinnvoll. Die NVFP4-Datei belegt 22,9 GB, die Karte stellt im Betrieb rund 23 GB bereit, und der Hersteller empfiehlt mindestens 48 GB GPU-Speicher. Getestet ist die NVFP4-Fassung zudem nur auf Blackwell-Hardware.
Dürfen wir Flint kommerziell einsetzen?
Die Gewichte stehen unter Apache 2.0, ohne Nutzerschwellen oder Umsatzgrenzen. Die Bedingungen der gehosteten Recursive-API sind laut Modellkarte getrennt von der Gewichtslizenz geregelt. Für den lokalen Betrieb zählt die Apache-Lizenz.
Wie viel Speicher braucht der volle Kontext von 262.144 Token?
Nach unserer Rechnung aus den Architekturangaben rund 7,5 GB KV-Cache in F16 für eine Sitzung, zusätzlich zu den Gewichten. Das liegt daran, dass nur 14 der 49 Schichten den vollen Kontext sehen. Mit der NVFP4-Fassung kommen so rund 30,5 GB ohne Laufzeitpuffer zusammen.
Ist Flint besser als Qwen3.8-27B für Coding?
Das lässt sich aus den Herstellerzahlen nicht ablesen, weil beide Hersteller auf unterschiedlichen Benchmark-Versionen und mit eigenen Harnesses messen. Flint rechnet je Token mit rund 2,5 Milliarden Parametern und ist damit bei vielen parallelen Sitzungen im Vorteil. Welches Modell Ihre Aufgaben besser löst, zeigt ein Test auf Ihrem eigenen Repository.
Kann Flint auch mit Screenshots oder deutschen Anforderungstexten arbeiten?
Screenshots nicht, Flint verarbeitet nur Text. Zu natürlichen Sprachen macht die Modellkarte keine Angaben. Wie gut Flint deutsche Ticketbeschreibungen versteht, sollte deshalb Teil der Erprobung sein.
Brauchen wir für einen Coding-Agenten überhaupt eigene Hardware?
Nicht zwingend. Eigene Hardware lohnt, wenn Quelltext das Haus nicht verlassen darf, wenn viele Entwickler den Agenten täglich nutzen oder wenn bereits passende Hardware steht. Für eine erste Erprobung reicht ein Entwickler-Mac mit mindestens 48 GB Unified Memory.