Broadcom-Schock treibt deutschen Mittelstand zu Proxmox: Die Zahlen hinter der Migrationswelle
Broadcom strich Perpetual-Lizenzen, reduzierte 8.000 SKUs auf 4 und erhöhte die Preise bei Erstverlängerung um Faktor 3-5. Für Unternehmen vor dem VMware-Renewal wird Proxmox damit vom Nischen-Tipp zur handfesten Kostenfrage.
Partnerangebot, Marktbeobachtung
Öffentliche Preisliste
Broadcom hat das VMware-Portfolio von über 8.000 Einzel-SKUs auf vier Kernbundles reduziert und verkauft seit Dezember 2023 keine neuen Perpetual-Lizenzen mehr. Bei der ersten Vertragsverlängerung zahlen die meisten Unternehmen das Drei- bis Fünffache, dokumentierte Einzelfälle liegen deutlich darüber.
Proxmox VE läuft inzwischen auf über 1,5 Millionen Hosts weltweit und bringt seit Version 8.1/8.2 einen nativen ESXi-Import-Wizard mit. Ein öffentlicher Preisvergleich zeigt: Für einen typischen Mittelstands-Cluster liegt der Kostenvorteil realistisch bei Faktor 5 bis 8.
Wer in den vergangenen zwei Jahren ein VMware-Vertragsdokument von Broadcom bekommen hat, kennt das Gefühl: Die Kalkulation aus dem Vorjahr taugt nichts mehr. Was früher eine Formalität war – Support verlängern, Rechnung zahlen, weitermachen – ist zu einer strategischen Entscheidung geworden, die IT-Leitung und Geschäftsführung gemeinsam treffen müssen.
Der Auslöser ist bekannt: Broadcom hat VMware im November 2023 übernommen und binnen weniger Wochen das komplette Lizenzmodell umgebaut. Was seither an Rechnungen bei deutschen Mittelständlern eintrifft, ist keine Randnotiz, sondern für viele Unternehmen der teuerste IT-Einzelposten der laufenden Budgetplanung. Gleichzeitig hat genau dieser Schock einer Open-Source-Alternative zu einer Reife und Verbreitung verholfen, die sie vor drei Jahren noch nicht hatte: Proxmox VE.
Der Broadcom-Schock: Was sich bei VMware wirklich geändert hat
Die Übernahme von VMware durch Broadcom wurde im November 2023 abgeschlossen. Bereits im Dezember 2023 folgte die Ankündigung, die den Markt bis heute beschäftigt: eine radikale Vereinfachung des Produktportfolios. Aus über 8.000 einzeln lizenzierbaren SKUs – Add-ons, Editions, Support-Stufen, Nischenprodukte – wurden nur noch vier Kernbundles. Wer bislang gezielt nur die Komponenten lizenziert hatte, die er tatsächlich einsetzte, findet sich seither in einem Bundle wieder, das spürbar mehr enthält, als der eigene Betrieb braucht – und entsprechend mehr kostet.
Vom Baukasten zum Zwangspaket
Das eigentliche strukturelle Problem ist weniger die Bündelung an sich als der Wegfall der Wahlfreiheit. Ein Unternehmen, das reine Server-Virtualisierung ohne Software-Defined-Storage oder Netzwerkvirtualisierung betrieb, zahlte vorher für genau das. Heute zahlt es für ein Bundle, das vSAN- und NSX-Funktionalität mit einpreist, unabhängig davon, ob diese Funktionen jemals aktiviert werden. Für die Kostenstelle IT-Infrastruktur bedeutet das: Der Rechnungsbetrag steigt, ohne dass sich am tatsächlichen Funktionsumfang im eigenen Rechenzentrum etwas ändert.
Noch gravierender für die Vertragsplanung: Seit Dezember 2023 verkauft Broadcom keine neuen Perpetual-Lizenzen (Kauflizenzen) mehr. Wer bereits eine Perpetual-Lizenz besitzt, darf sie weiterhin nutzen – der Betrieb läuft zunächst unverändert weiter. Was fehlt, ist der Verlängerungsweg: Neue Support- und Update-Verträge für Perpetual-Lizenzen sind nur noch eingeschränkt zu bekommen, und der einzige Weg zu einer aktuellen, herstellerunterstützten Version führt über ein Subscription-Modell. Aus einer einmaligen Investition mit planbaren jährlichen Wartungskosten wird damit faktisch eine Umstellung auf wiederkehrende, jederzeit neu verhandelbare Lizenzgebühren.
Warum das kein normaler Preiszyklus ist: Software-Hersteller erhöhen Preise regelmäßig, das ist für sich genommen nichts Neues. Ungewöhnlich ist die Kombination aus drei Effekten gleichzeitig: der Zwang zum Subscription-Modell für alle, der Wegfall der granularen Produktauswahl und der Umstieg von einer CPU-basierten auf eine kernbasierte Abrechnung. Jeder Effekt für sich wäre verkraftbar. In Summe multiplizieren sie sich – und genau das erklärt, warum aus einer Preiserhöhung ein Strategiethema für die Geschäftsführung geworden ist.
Kostenexplosion bei der Erstverlängerung: Die Zahlen hinter der Empörung
Der zweite strukturelle Kostentreiber liegt in der Abrechnungslogik selbst. VMware lizenzierte klassisch pro CPU-Sockel – wie viele Kerne in diesem Sockel steckten, spielte für die Lizenzkosten keine Rolle. Seit der Broadcom-Übernahme wird pro Kern abgerechnet, mit einer Mindestabnahme von 16 Kernen je Sockel. Ein moderner Server-Prozessor mit 32, 48 oder 64 Kernen pro Sockel – Standard in aktuellen Mittelstands-Rechenzentren – verursacht damit ein Vielfaches der bisherigen Lizenzkosten, obwohl sich an der physischen Hardware nichts geändert hat.
Seit dem 10. April 2025 kommt eine weitere Hürde hinzu: eine Mindestbestellmenge von 72 Kernen pro Auftrag – zunächst eingeführt für Nord- und Südamerika sowie die Region Asien-Pazifik-Japan. Für die EMEA-Region, zu der Deutschland zählt, galten nach den zum Redaktionsschluss verfügbaren Quellen zunächst abweichende Regelungen; da sich Broadcoms Konditionen regional und im Zeitverlauf ändern, sollte die aktuell gültige Mindestbestellmenge für den eigenen Vertrag im Zweifel direkt beim Broadcom-Partner erfragt werden. Unabhängig von der exakten Schwelle trifft dieser Mechanismus kleine Umgebungen und Edge-Standorte überproportional: Ein Zwei-Sockel-Host mit wenigen Kernen wird auf ein Vielfaches seines tatsächlichen Bedarfs hochlizenziert.
Wie stark sich das auf die Erstverlängerung nach der Übernahme auswirkt, lässt sich nicht mit einer einzelnen, für alle Verträge gültigen Prozentzahl beziffern – dazu variieren Ausgangsvertrag, Verhandlungsposition und Bundle-Wahl zu stark. Belastbar ist aber die Bandbreite, die sich aus mehreren unabhängig berichteten Fällen ergibt:
| Fallgruppe | Berichteter Aufschlag | Charakter |
|---|---|---|
| Mehrzahl dokumentierter Fälle | Faktor 3–5 (rund 300–500 %) | typisches Renewal-Szenario im Mittelstand |
| AT&T | rund +1.050 % | Einzelfall, vor Gericht dokumentiert |
| CISPE / europäische Cloud-Anbieter | teils 800–1.500 % | Einzelfälle, öffentlich berichtet |
Wichtig für die eigene Erwartungshaltung: Die extremen Werte sind Ausreißer, keine Regel – aber sie zeigen die Streubreite, mit der Verhandlungspartner rechnen sollten. Eine feste Preisliste, gegen die sich die eigene Offerte prüfen ließe, veröffentlicht Broadcom für Endkundenverträge nicht mehr; verfügbar sind ausschließlich individuelle Partnerangebote. Genau diese Intransparenz ist ein wesentlicher Grund, warum Unternehmen parallel eine Alternative durchrechnen, bevor sie unterschreiben.
Beispielrechnung: Was ein typischer Mittelstands-Cluster jetzt kostet
Anders als Broadcom veröffentlicht Proxmox eine feste, öffentlich einsehbare Preisliste. Abgerechnet wird pro besetztem CPU-Sockel und Jahr – die Kernzahl je Sockel spielt für den Preis keine Rolle, was den Modellvergleich zu VMwares kernbasierter Abrechnung besonders deutlich macht:
| Proxmox-VE-Edition | Preis je Sockel/Jahr | Typisches Einsatzszenario |
|---|---|---|
| Community | 120 € | Labor, Test, kleine Umgebungen |
| Basic | 370 € | produktiver Mittelstandsbetrieb |
| Standard | 550 € | geschäftskritische Cluster |
| Premium | 1.100 € | Enterprise-Support-Anforderungen |
Für VMware gibt es keine vergleichbar feste Liste mehr. Marktbeobachter beziffern die Kosten für ein vSphere-Foundation-Bundle auf rund 135 bis 190 US-Dollar pro Kern und Jahr, bei der bekannten Mindestabnahme von 16 Kernen pro Sockel. Für einen typischen Zwei-Sockel-Host mit 32 Kernen insgesamt – aktuell eher die untere als die obere Grenze im Servermarkt – ergibt das rechnerisch rund 4.300 bis 6.100 Euro pro Jahr für einen einzelnen Host, abhängig von Wechselkurs und Rabattstufe.
Skaliert man das auf einen realistischen Mittelstands-Cluster mit drei Nodes zu je zwei Sockeln – sechs Sockel, HA-fähig, mit Reserve für Ausfälle – liegt die VMware-Seite bei rund 12.900 bis 18.300 Euro pro Jahr. Die Proxmox-Basic-Lizenz für denselben Cluster kostet 6 × 370 € = 2.220 Euro pro Jahr. Der Kostenvorteil bewegt sich damit realistisch im Bereich Faktor 5 bis 8 – je nach Sockelzahl, verhandeltem Rabatt und gewählter Edition kann die Bandbreite auch enger ausfallen.
Wichtige Einordnung: Diese Beispielrechnung ist ein Modell auf Basis der öffentlichen Proxmox-Preisliste und veröffentlichter Marktbeobachtungen zu VMware-Partnerpreisen – keine verbindliche Kalkulation und kein Ersatz für ein konkretes Angebot. Broadcom veröffentlicht keine feste Preisliste für Endkunden mehr; die tatsächliche Zahl in Ihrem Vertrag hängt von Bundle-Wahl, Rabattverhandlung und Vertragsvolumen ab. Rechnen Sie Ihren eigenen Cluster nach, bevor Sie eine Budgetentscheidung treffen.
Proxmox VE als Alternative: Reifegrad, Verbreitung und Community
Vor drei Jahren war Proxmox VE für viele IT-Leiter noch ein Homelab-Tipp, kein Enterprise-Argument. Das hat sich geändert. Proxmox VE läuft inzwischen auf über 1,5 Millionen Hosts weltweit – aktuellere Erhebungen nennen bereits 1,6 Millionen –, getragen von einer Community mit über 200.000 aktiven Mitgliedern im offiziellen Forum und einem Partnernetz von mehr als 1.000 Resellern in über 140 Ländern. Das ist keine Nischenlösung mehr, sondern eine Open-Source-Plattform mit belastbarer kommerzieller Infrastruktur im Hintergrund.
Der Import-Wizard senkt die technische Einstiegshürde
Der entscheidende Reifesprung für Migrationsprojekte ist der native VMware-ESXi-Import-Wizard, seit Proxmox VE 8.1/8.2 fest im Produkt integriert. Er spricht direkt mit der ESXi-API, importiert virtuelle Festplatten samt Konfiguration und ist gegen ESXi-Versionen von 6.5 bis 8.0 getestet. Was früher manuelles Konvertieren über die Kommandozeile bedeutete – mit entsprechendem Fehlerrisiko bei jeder VM –, läuft heute über eine geführte Oberfläche im Proxmox-Datacenter-Manager.
Auch beim klassischen Kritikpunkt gegenüber VMware, dem fehlenden automatischen Lastausgleich zwischen Nodes (DRS-Äquivalent), hat sich die Lücke geschlossen: Proxmox VE 9.2, veröffentlicht im Mai 2026, bringt einen dynamischen Load-Balancer mit, der Workloads automatisiert über den Cluster verteilt. Für Umgebungen, die bislang genau deshalb an VMware festhielten, fällt damit ein wesentliches Gegenargument weg. Wer On-Premise bleiben will und ohnehin schon in eigene GPU-Server für KI-Workloads investiert, trifft mit Proxmox zunehmend auf eine Plattform, die technisch mithält.
Migrationsplanung: Wie lange dauert der Umstieg wirklich?
Die pauschale Aussage „eine VMware-zu-Proxmox-Migration dauert 8 bis 12 Wochen" hört man häufig – und sie ist irreführend, weil sie zwei völlig unterschiedliche Projektgrößen über einen Kamm schert. Realistischer ist eine Staffelung nach Umgebungsgröße:
- 10 bis 20 VMs: etwa 1 bis 2 Wochen, inklusive Testphase. Überschaubare Abhängigkeiten, meist ein Team, das den gesamten Bestand kennt.
- 50 bis 100 VMs: realistisch 4 bis 8 Wochen. Hier lohnt sich bereits eine strukturierte Wellenplanung nach Kritikalität.
- 150 bis 200 VMs und mehr: eher 10 bis 16 Wochen, inklusive vollständiger Abhängigkeitsanalyse und Anwendungstests je Welle.
Das empfohlene Vorgehen ist unabhängig von der Größe im Kern ähnlich: eine vollständige Inventarisierung aller VMs (Betriebssystem, CPU/RAM-Zuschnitt, Storage-Anbindung, Netzwerkzonen, Anwendungsabhängigkeiten), der parallele Aufbau der Proxmox-Umgebung neben dem bestehenden ESXi-Cluster, anschließend eine Wellenmigration über den Import-Wizard beziehungsweise qemu-img convert für Spezialfälle. Bei Windows-Gästen sollten die VirtIO-Treiber bereits vor der Migration installiert werden, um Boot-Probleme nach dem Wechsel des virtuellen Storage- und Netzwerk-Controllers zu vermeiden. Parallel dazu wird das Backup-Tool umgestellt – üblicherweise von Veeam auf den Proxmox Backup Server. Vor der endgültigen Stilllegung der alten Umgebung empfiehlt sich ein Parallelbetrieb von zwei bis vier Wochen, in dem beide Plattformen produktionsfähig bleiben.
Praxisbeispiel: Maschinenbauzulieferer mit 65 Servern
Ein Zulieferbetrieb mit rund 180 Mitarbeitern betrieb einen VMware-Cluster mit drei Hosts und 65 virtuellen Maschinen – ERP, Fertigungssteuerung, Fileserver, mehrere Testumgebungen. Nach dem Angebot zur Erstverlängerung, das gegenüber dem Vorjahresvertrag beim rund Vierfachen lag, entschied sich die Geschäftsführung für die Prüfung von Proxmox. Die Inventur dauerte eine Woche und deckte auf, dass zwölf VMs seit über einem Jahr keine aktive Nutzung mehr hatten und stillgelegt werden konnten – das reduzierte die eigentliche Migrationslast auf 53 Maschinen. Die produktive Wellenmigration über den ESXi-Import-Wizard, gestaffelt nach Kritikalität und mit VirtIO-Treibern vorab auf allen Windows-Servern installiert, war nach sieben Wochen abgeschlossen, inklusive dreiwöchigem Parallelbetrieb und Umstellung der Datensicherung auf den Proxmox Backup Server. Größte Zeitfresser waren nicht die VMs selbst, sondern zwei Legacy-Anwendungen mit fest verdrahteten IP-Adressen, die eine sorgfältige Netzwerk-Neuplanung erforderten.
Technische Stolperfallen beim Umstieg: Storage, Netzwerk, HA
Die größten Reibungsverluste entstehen dort, wo VMware und Proxmox architektonisch unterschiedliche Wege gehen – nicht bei der reinen VM-Konvertierung.
Storage: vSAN vs. Ceph, ZFS und lokaler Storage
Wer vSAN als hyperkonvergenten Storage-Layer nutzt, kann nicht 1:1 auf ein Proxmox-Äquivalent umziehen – die naheliegenden Entsprechungen sind Ceph für verteilten, hochverfügbaren Storage oder ZFS beziehungsweise lokaler Storage für kleinere Cluster ohne geteilten Speicherbedarf. Beide Wege sind bewährt, erfordern aber eine bewusste Architekturentscheidung vor der Migration, nicht währenddessen.
Netzwerk: vSwitch/Distributed Switch vs. Linux Bridge/Open vSwitch
VMwares Distributed Switch bündelt Netzwerkkonfiguration clusterweit über eine zentrale Oberfläche. Proxmox arbeitet mit Linux Bridges beziehungsweise optional Open vSwitch – funktional gleichwertig, aber mit anderer Konfigurationslogik. VLAN-Zuordnungen, Bonding-Konfigurationen und Firewall-Regeln müssen im Zuge der Migration bewusst nachgebaut werden, nicht nur exportiert.
Hochverfügbarkeit und Lastverteilung
Der Proxmox HA-Manager übernimmt das automatische Neustarten von VMs auf einem anderen Node bei Hostausfall und ist seit Jahren produktionsreif. Die bislang fehlende Entsprechung zu VMwares DRS – der automatischen, laufenden Lastverteilung im Normalbetrieb – liefert seit Version 9.2 der neue dynamische Load-Balancer nach. Wer auf einer älteren Proxmox-Version plant, sollte das Update in die Migrationsplanung einbeziehen.
Grundsätzlich gilt: Windows-Gäste benötigen die VirtIO-Treiber, bevor der Storage- und Netzwerk-Controller auf die paravirtualisierten Proxmox-Geräte wechselt – ein übersprungener Schritt führt zuverlässig zu einem nicht startenden System nach der Konvertierung. Und wo sehr VMware-spezifische Funktionen im Einsatz sind – etwa tief in vSAN oder NSX verankerte Policies –, gehört ein Testlab-Durchlauf vor die produktive Migration, nicht danach.
Mehr als nur Lizenzkosten: Souveränität und On-Premise-KI-Perspektive
Die Broadcom-Debatte wird meist als reine Kostenfrage geführt, greift damit aber zu kurz. Eine offene, selbst hostbare Virtualisierungsschicht ist zugleich die technische Grundlage für einen größeren Trend: den Aufbau souveräner, selbst betriebener KI-Infrastruktur im eigenen Haus. Wer ohnehin über die Migration seiner Virtualisierungsplattform nachdenkt, sollte diese Gelegenheit nutzen, um die Basis für kommende On-Premise-Sprachmodell-Projekte gleich mitzudenken.
Konkret bedeutet das: Proxmox unterstützt GPU-Passthrough und vGPU-Profile, mit denen sich GPU-Karten gezielt einzelnen virtuellen Maschinen zuweisen lassen – die technische Voraussetzung für performantes LLM-Hosting im eigenen Rechenzentrum. Wichtig für die Planung ist dabei der verfügbare VRAM je Karte, der über die maximale Modellgröße entscheidet, die sich sinnvoll betreiben lässt. Wer nach dem Umstieg auf Proxmox auch eigene Sprachmodelle betreiben möchte, findet die technische Vertiefung dazu in unserem Artikel zu GPU-Passthrough und vGPU für LLM-Hosting.
Der strategische Punkt für die Geschäftsleitung: Die Broadcom-Migration ist keine isolierte Kostenoptimierung, sondern eine Gelegenheit, die Infrastrukturstrategie insgesamt neu auszurichten – weg von der Abhängigkeit von einem einzelnen, preislich unberechenbaren Anbieter, hin zu einer offenen Plattform, die sowohl klassische Virtualisierung als auch künftige KI-Workloads trägt.
Handlungsempfehlung: Entscheidungsfahrplan vor dem nächsten VMware-Renewal
Wer vor der nächsten VMware-Vertragsverlängerung steht, sollte nicht auf die Rechnung warten, sondern aktiv vorgehen:
- Vertrags- und Renewal-Datum jetzt prüfen. Die Vorlaufzeit für eine seriöse Alternativprüfung beträgt mehrere Monate – wer erst 30 Tage vor Vertragsende beginnt, verhandelt aus der schwächeren Position.
- Frühzeitig ein Broadcom-Partnerangebot einholen. Nur ein konkretes Angebot zeigt, welcher Faktor im eigenen Fall tatsächlich anfällt – Pauschalzahlen aus der Presse ersetzen das nicht.
- Einen belastbaren TCO-Vergleich rechnen. On-Premise-Betrieb mit Proxmox gegen das Broadcom-Angebot, aber auch gegen Cloud-Alternativen – unser TCO-Rechner: On-Premise vs. Cloud bildet die relevanten Kostenblöcke strukturiert ab.
- Ein Proof-of-Concept beziehungsweise Testlab aufsetzen, um Feature-Kompatibilität für die eigenen kritischen Workloads zu verifizieren, bevor eine Entscheidung fällt.
- Migrationswellen planen, priorisiert nach Kritikalität und Komplexität, mit realistischem Zeitrahmen entsprechend der eigenen Umgebungsgröße.
- Externe Beratung einbeziehen, wenn intern die Kapazität für eine parallele Migrationsplanung fehlt – ein kurzes Erstgespräch oder eine strukturierte KI-Beratung für den Mittelstand klären in der Regel innerhalb weniger Tage, ob und wie sich der Umstieg für die eigene Umgebung rechnet.
Fazit: Vom Nischentipp zur handfesten Kostenfrage
Die Broadcom-Preisänderung hat aus einer technischen Detailfrage eine Pflichtübung für praktisch jedes Unternehmen mit VMware-Bestand gemacht: Vor dem nächsten Renewal lohnt sich die Proxmox-Prüfung fast immer, allein schon, um eine belastbare Verhandlungsposition gegenüber dem eigenen Broadcom-Partner zu haben. Dass diese Prüfung heute ernsthaft möglich ist, liegt am gestiegenen Reifegrad von Proxmox VE – über 1,5 Millionen produktive Hosts, ein nativer ESXi-Import-Wizard und mit Version 9.2 auch ein automatischer Lastausgleich senken die technische Einstiegshürde spürbar gegenüber noch vor wenigen Jahren.
Der wichtigste Ratschlag bleibt dabei banal: rechtzeitig vor Vertragsende prüfen, nicht erst, wenn die Rechnung mit dem neuen Faktor bereits auf dem Tisch liegt. Wer die Inventur, die TCO-Rechnung und mindestens einen Testlab-Durchlauf vorzieht, verhandelt aus einer völlig anderen Position – gegenüber Broadcom genauso wie gegenüber der eigenen Geschäftsführung.
Quellen & Primaerbelege
- ServerHero: Broadcom-Lizenzierung 2026 Hauptquelle für SKU-Reduktion, Umstellung auf Subscription-Modell und Kostenvergleich mit Proxmox/Hyper-V als Alternativen
- SAC: VMware-Broadcom-Alternativen Einordnung der Preis- und Alternativen-Diskussion bis Oktober 2027
- PC Server & Parts: VMware zu Proxmox Technische Migrationsdetails: VirtIO-Treiber, Proxmox VE 9.2 Load-Balancer, Hardware-Restwertbetrachtung
- SCI Systems: VMware-Alternativen Vergleich Hyper-V und Proxmox VE für den deutschen Mittelstand; nennt auch Hyper-V als valide Alternative
- Proxmox VE: Offizielle Preisliste (proxmox.com) Preisstufen Community/Basic/Standard/Premium je CPU-Sockel und Jahr
- VMware/Broadcom Blog: End of Availability of Perpetual Licensing Offizielle Ankündigung des Endes des Verkaufs neuer Perpetual-Lizenzen
Häufig gestellte Fragen zur Broadcom-Proxmox-Migration
Muss ich meine VMware-Umgebung sofort migrieren, wenn mein Perpetual-Support ausläuft?
Nein. Bestehende Perpetual-Lizenzen bleiben grundsätzlich nutzbar, aber Broadcom verkauft seit Ende 2023 keine neuen Perpetual-Lizenzen mehr und Support-Verlängerungen für alte Lizenzen sind nur noch eingeschränkt möglich. Spätestens zum nächsten Vertragsende sollte ein Migrationsplan stehen, damit keine Sicherheits- und Update-Lücke entsteht.
Wie teuer wird die erste VMware-Vertragsverlängerung unter Broadcom wirklich?
Das hängt stark vom Ausgangsvertrag und der Verhandlungsposition ab. In der Mehrzahl dokumentierter Fälle liegt der Faktor bei 3 bis 5 (rund 300-500 Prozent), in Einzelfällen wie bei AT&T (vor Gericht dokumentiert) oder europäischen Cloud-Anbietern wurden auch 800 bis über 1.000 Prozent gemeldet. Eine öffentliche Preisliste gibt es nicht mehr, die genaue Zahl liefert nur ein individuelles Broadcom-Partner-Angebot.
Kann Proxmox VE alle VMware-Funktionen 1:1 ersetzen?
Für die meisten Mittelstandsszenarien deckt Proxmox VE die Kernfunktionen ab: Hochverfügbarkeit, Snapshots, Live-Migration, zentrale Cluster-Verwaltung und seit Version 9.2 auch einen dynamischen Load-Balancer. Bei sehr spezialisierten vSAN- oder NSX-Funktionen kann Anpassungsbedarf entstehen, den man vor der Migration in einem Testlab prüfen sollte.
Wie lange dauert eine Migration von VMware zu Proxmox VE realistisch?
Für kleine Umgebungen bis etwa 20 VMs sind 1 bis 2 Wochen realistisch, für 50 bis 100 VMs eher 4 bis 8 Wochen. Bei 150 bis 200 und mehr VMs sollte man mit strukturierter Wellenplanung, Abhängigkeitsanalyse und Testphase eher 10 bis 16 Wochen einplanen - die pauschale Zahl 'immer 8 bis 12 Wochen' gilt nur für den mittleren Bereich.
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